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Nouvel Amour
 
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Nouvel Amour

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April_Eagle_Wilcox
(@april_eagle_wilcox)
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Der Krieg war zu. Ende. Der Outriderplanet vernichtet und im Neuen Grenzland kehrte langsam Ruhe ein. Aber allen war bewusst, es würde nur eine Frage der Zeit sein, bis der die Phantomwesen wieder zurück kommen werden. Vereinzelt gibt es noch kleinere Gruppierungen des Feindes, die von den Star Sheriffs bekämpft werden. Der Wiederaufbau beginnt und der Alltag hat langsam wieder eine Chance und die vier Star Sheriffs können endlich wieder ein normales Leben beginnen.  Allerdings gibt es auch Veränderungen… ~ Diese Geschichte ist eine Zusammenarbeit mit Sannyerd ~

 

01 Kriegsende

Die vier Star-Sheriffs hatten vor etwa 30 Minuten den Planeten Pecos verlassen und steuerten direkt auf Yuma zu. Die vergangenen Tage waren äußerst nervenaufreibend gewesen, da sich herausstellte, dass doch noch mehr Outrider als erwartet auf diesem Planeten stationiert gewesen waren, als angenommen. Jetzt, nach dem Ende des großen Krieges waren überall noch einige Einheiten im neuen Grenzgebiet verteilt, die nicht mit dem Outriderplaneten vernichtet worden waren. Doch gemeinsam war es ihnen gelungen, die hoffentlich letzten Phantomwesen zurück in ihre Dimension zu schicken und den Planeten zu befreien. Vorsicht war jedoch weiterhin geboten, aber es schien, als könnten die Menschen langsam wieder aufatmen.
 

April stand aus ihrer Steuereinheit auf. Still war es an Bord, jeder hing seinen Gedanken nach. Colt hielt so wie es aussah ein Nickerchen, oder war einfach nur erschöpft, beides traf wohl zu. Saber beobachtete wie jedes Mal nach einer Schlacht aufmerksam die Scans, die von den umliegenden Einheiten Ramrod übermittelt wurden, der Friedenswächter fungierte als Kommandoschiff. Fireball streckte sich, nachdem er den Autopiloten mit den von April übermittelten Daten gefüttert hatte. Die Blondine verließ die Brücke, und die anderen kannten ihr Ritual. Jetzt brauchte sie erstmal Ruhe, um sich zu sammeln. Mit einer großen Tasse setzte sie sich, in den Aufenthaltsraum und atmete erst einmal tief ein und aus. Sie war erleichtert und freute sich darauf, wieder nach Hause zu kommen. Hoffentlich stand nicht gleich wieder der nächste Einsatz an. Sie brauchten auch mal Ruhe, um nach den letzten Ereignissen herunterzukommen. Die Jungs waren eh schon überreizt und sie auch, musste sie sich eingestehen! Bisher hatten sie vom Oberkommando noch keine weiteren Einsatzinformationen erhalten, was ihrer Erfahrung nach ein gutes Zeichen war.
 

So hoffte sie sehr, endlich die Möglichkeit zu bekommen, Zeit mit ihrem Vater nach dessen Entführung und den darauf folgenden gebrochenen Friedensvertrag seitens der Outrider, zu verbringen. Alles war so schnell geschehen, dass sie gar nicht mehr wusste, welche Ereignisse gravierender waren: die drohende fast völlige Zerstörung Yumas, oder der Sieg über den Outriderplaneten mit dessen Vernichtung. Sie hatte nur Angst gehabt, an etwas anderes konnte sie sich schon gar nicht mehr erinnern. Ihr Lichtblick war in dieser Zeit Fireball gewesen, der viel Zeit mit ihr verbracht hatte. Sie beobachtete den Dampf, der aus ihrer Tasse hinauf stieg. Er hatte es geschafft sie abzulenken und ihr Momente der Leichtigkeit zu verschafft, war eine Schulter zum Ausweinen und auch mal der Sandsack, als ihr alles zu viel wurde. Sie schlürfte den heißen Tee und schloss ihre Augen. Auch ihr Vater war nach seiner Entführung wieder sofort eingespannt gewesen, ihm blieb keine Zeit, das Geschehen zu verarbeiten. Sorgen keimten in der Navigatorin auf. Schließlich war er auch nicht mehr der Jüngste und doch musste er vor dem Rat Rede und Antwort stehen und dazu alles im Blick behalten. Natürlich hatte sie Verständnis für die Wichtigkeit und auch den Verpflichtungen ihres Vaters, sie kannte es schließlich nicht anders! Aber dennoch fehlte er ihr sehr. Und jetzt keimte der Frieden in ihren wirren Gedanken auf. Frieden? Wusste sie überhaupt noch, was das war? April stand auf und beschloss wieder auf die Brücke zu gehen, um nach den Jungs zu schauen.
 

Auf Yuma wurden die Scans ausgewertet, die Saber Rider an die Einsatzzentrale schickte. "So wie es aussieht, ist der Planet und der Orbit frei von Bedrohungen!", verkündete ein Wissenschaftler, nachdem er die Unterlagen und Daten mehrmals überprüft hatte. Kommandant Eagle nickte dem Mann zu. "Holen Sie die Star-Sheriffs nach Hause!", wies er an und verließ die Zentrale. Er hatte noch einiges zu tun, bis die vier landeten. Und begab sich wieder in sein Büro, dort begrüßte in Jaqe sein 11-jähriger Bernner Sennenhund, der ihn täglich ins Oberkommando begleitete. Die Offiziere kannten und liebten Jaqe, der wie immer an seinem Stammplatz im Büro aus dem großen Panoramafenster schaute. Jaqe hatte alles im Blick. Eagle strich seinem Freund über seinen großen Kopf und beide sahen für einige Momente gemeinsam nach draußen, bevor sich Charles wieder an seine Arbeit machte. Misses Miller brachte ihm, wie immer als er sein Büro betrat, einen heißen Kaffee und für Jaqe einen Hundekeks.

"Kann ich sonst noch etwas für Sie tun, Kommandant?", fragte die Mitte vierzigjährige Chefsekretärin des Oberkommandos. Eagle schüttelte den Kopf. "Machen Sie Feierabend für heute und danke, dass Sie bis zum Schluss geblieben sind!", sagte er und nahm sich einen Schluck seines Kaffees. ‘Das würde ihm jetzt guttun!‘, dachte er. Misses Miller lächelte und nickte Charles zu. "Das ist doch selbstverständlich!", erwiderte sie und verließ das Büro. Kommandant Eagle sah seiner Sekretärin noch einen Moment nach. ‘Ja, die Seele des Oberkommandos. Egal zu welcher Uhrzeit ein Angriff kam, wenn Misses Miller anwesend war, blieb sie auch bis zum Schluss, um sie alle mit Kaffee und Snacks zu versorgen. ‘So wäre selbst ein großer General ohne ihre Verpflegung umgefallen‘, musste er schmunzeln und lehnte sich in seinen gemütlichen Ledersessel zurück.

Er drehte sich dem Panoramafenster hinter sich zu. Die roten und blauen Abendlichter des KOKs waren ihm so vertraut, er war überzeugt davon, im Oberkommando, jede einzelne dieser blinkenden Glühbirnen zu kennen. Es war seit Jahren sein zweites Zuhause, sogar seine Tochter April, sein einziges Kind, war hier aufgewachsen. Seit Jahren kannte er nichts anderes. Doch auch sie würde in den nächsten Jahren garantiert ihre eigenen Wege gehen. Er spürte es, dass sie verliebt war und das Letzte, was er wollte, war ihr dabei im Wege zu stehen. Über seinen zukünftigen Schwiegersohn machte er sich da schon mehr Gedanken! War er sich seiner Verantwortung seiner Tochter gegenüber bewusst? Doch bevor das alles spruchreif wurde, freute er sich auf die Ankunft der vier, nickte er seine Gedanken ab und wandte sich wieder seiner Arbeit zu. Dabei fiel sein Blick auf das Foto, welches nun auch schon seit mehr als 12 Jahren an genau diesem Platz auf seinem Schreibtisch stand, wie alles in seinem Büro.
 

Schmunzeln musste er und betrachtete sein damals noch kleines Mädchen von gerade einmal acht Jahren, ‘sein kleines Mädchen‘ huschte ihm durch seinen Kopf und schüttele gleich darauf diesen Gedankengang wieder ab! Seit einigen Monaten erkannte er, dass sie schon lange nicht mehr dieses kleine Mädchen war. “Elternblindheit”, hatte es Misses Miller mal genannt, recht hatte sie, stimmte er der Guten zu und brummte ein “Hm!” bestätigend vor sich. Kurz darauf spürte er eine schleichende Einsamkeit in sich aufsteigen. Er musste zugeben, er sehnte sich auch nach jemanden, der auf ihm wartete, vielleicht sogar mit einem guten Essen. Natürlich, hatte er in den letzten Jahren die ein oder andere weibliche nette Bekanntschaften gehabt. Doch meist sehr im Verborgenen, er wollte seiner Tochter keine Ersatz-Mutter vorsetzen, wusste er doch, wie schwer es April und ihm damals fiel Abschied zu nehmen! Und sie sollte auf keinen Fall glauben, dass er ihre Mutter einfach so austauscht. Doch jetzt würde seine Tochter langsam ihre eigenen Erfahrungen machen und sich einmischen, wie er es umgekehrt vor knapp drei Jahren getan hatte. Jetzt war sie erwachsen, auch wenn es ihm schwerfiel diese Tatsache zu akzeptieren! Es war ihr Recht auf ihr eigenes Leben und er fand, dass er dieses jetzt auch hatte. Aber ging es dabei um Recht? War es nicht auch das einfach menschliche Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit? Er atmete tief ein und sein Blick fiel auf seine Frau, die ihn seit 12 Jahren anlächelte, nicht nur auf dem Bild, sondern viel mehr in seinen Gedanken. Aber auch das war mit den letzten Jahren immer weniger geworden. Er liebte sie nach wie vor, zu schnell war sie aus dem Leben gerissen worden! Die Nacht des Unfalles würde er nie mehr vergessen, doch der Schrecken darüber war verflogen, Wunden heilen, aber Erinnerungen blieben! Er wusste, dass seine Frau nicht gewollt hätte, dass er für den Rest seines Lebens allein bleiben sollte! Sie war nicht mehr da, doch seine Liebe zu ihr war auch nun mehr eine wundervolle Erinnerung. Sein Herz hatte Abschied genommen. Wahrscheinlich erst in den letzten Monaten, doch es fühlte sich leichter als sonst an, klarer! Er stand auf und musste sich bewegen, arbeiten konnte er jetzt sowieso vergessen! “Tja!” sprach er vor sich und stemmte seine Hände in die Hüften. Na ja, um Angebote mangelte es ihm nicht, denn schließlich war er doch immer ein gut aussehender, na ja nicht mehr ganz so junger Mann, fand er. Warum also sich die letzten Jahre nicht mit jemanden teilen? Ihm fiel die gute Chloé ein. Versprochen hatte er ihr, sie irgendwann einmal zu essen einzuladen. Er blickte in den Spiegel und beschloss genau das jetzt zu tun!
 

April servierte den Jungs zur Feier des Tages Kaffee, den die Drei dankend entgegennahmen. Die Ruhe an Bord nach so einem Kampf war Standard und das koffeinhaltige Heißgetränk holte alle ins hier und jetzt zurück. „Na ihr Helden, meint ihr, wir dürfen uns auf Yuma erstmal das Näschen pudern, oder müssen wir gleich wieder los?“ durchbrach April das gemeinsame Schweigen. Colt sah von seinem Lieblingsgetränk auf und grinste die Blondine frech an. “Also meine Wenigkeit sehnt sich nur nach Robin …” – “ Und einem Bett …” warf Fireball frech dazwischen. Colt, der gerade Luft holen wollte, zog seine Augenbrauen zusammen und blickte seinem Hombre entgegen: “Ein Steak! Wollte ich sagen!” April rollte mit ihren Augen. Ok, der Kaffee hatte gewirkt, stellte sie erfreut fest und blickte zu Saber der sich ein Grinsen wegdrückte. “Aber danach in ein weiches, flauschiges Bett, ohne Nachbarn, ist natürlich mit eingeplant!” fügte Colt noch mit an und nahm erneut von seinem Kaffee. “Sag’ ich doch!” kam es von Fireball bestätigend. “Ja, aber die Reihenfolge macht es, wirst du auch noch lernen!” zwinkerte der Cowboy und zeigte Richtung mittlere Steuereinheit! “Manchmal ist die Reihenfolge nicht das wichtigste!”, konterte April und setzte sich, ohne eine Antwort abzuwarten, in ihre Satteleinheit. “Hehe!” grinste jetzt Fireball. “Ich bin dann eher der traditionelle Typ, bin ich dann doch!” murmelte der Cowboy vor sich hin und blickte tief in seine Tasse, während er seinen letzten Schluck Kaffee schwenkte. Saber, der die Unterhaltung schweigend verfolgt hatte, musste jetzt doch hörbar lachen, wurde aber gleich darauf von einem Piepsen auf seiner Konsole wieder zum ernsten Teil ihrer Mission gerufen: Etwas schwerfällig betätigte er den blinkenden Button. Sofort erschien die Meldung des Hauptquartiers auf seinem Monitor. “Tja, Freunde, es geht weiter!”, verkündete der Schotte. Von Colt hörte man ein tiefes Brummen: “Von Work life Balance haben die Herren im Oberkommando auch noch nichts gehört!” grummelte er in seinen nicht vorhanden Bart. Seine Träume zusammen mit Robin platzen gerade wie eine Seifenblase vor seinem inneren Auge. “Von gesetzlicher Arbeitszeit auch nicht!” warf Fireball darauf ein, der das Genuschel des Cowboys sehr wohlverstanden hatte. Das konnte doch nur wieder Ärger bedeuten und vorbei war es mit der Urlaubsstimmung. Der Schotte las die Nachricht seinen Kameraden vor. „Nach Überprüfung der aktuellen Scans und Lage wurden keine weiteren Outrideraktivitäten mehr gemessen oder gesichtet. Befehl lautet: direkter Kurs nach Yuma-City! Und Meldung bei Commander Eagle machen!“ verkündete Saber und grinste seinen Freunden entgegen. Auch er sehnte sich nach einem Wiedersehen mit Sincia! “Na so schlecht sind diese Nachrichten ja dann doch nicht!” kommentierte Fireball die vorgelesene Nachricht. “Packt die Satteltaschen, es geht nach Hause!” sprang der Cowboy aus seiner Satteleinheit und freute sich.
 

Nachdem sie Commander Eagle einen ausführlichen Bericht gegeben hatten. War der Cowboy der erste, der sich mit gepackten Satteltaschen verabschiedet hatte. Ganze drei Tage sah und hörte man nichts mehr von dem Lockenkopf. Alle waren sich sicher, dass Colt im anderen lustvollen Gefilden unterwegs war. Und sein Steak hatte er sicher auch von Robin mit sehr viel Liebe zubereitet bekommen!

April verbrachte den ersten Abend zusammen mit ihrem Vater. Gemeinsam waren sie chic essen gewesen, doch irgendetwas war der Blondine sofort aufgefallen. Ihr Vater hatte ein Leuchten in seinen Augen, war sehr entspannt, sie führte es auf das Ende des Krieges zurück. Gesehen hatten sie sich zwar regelmäßig, bei ihren Treffen arbeiteten sie beide die Geschehnisse auf, auch seine Entführung war immer mal wieder Thema. Doch so wie es aussah, hatte ihr Vater das alles sehr gut weggesteckt.

Saber hatte die letzten Protokolle in der Verwaltung des KOK's abgegeben und konnte sich nun auf die freien Tage konzentrieren. Nach einem ausgiebigen langen Schlaf, ohne das ihm so vertraute Cowboy-Schnarchen, hatte er sich direkt auf den Weg zu Sinicia gemacht. Die braunhaarige Kindergärtnerin konnte es erst gar nicht fassen, dass er sie da während der Arbeit besuchte.

Fireball traf es da schon härter. Er fegte Ramrod aus, so nannte er es schon seit Jahren, als Pilot war es seine Aufgabe Ramrod im Wartungshangar den Mechanikern zu übergeben. Der Friedenswächter musste, nach den ganzen schweren Kampfeinsätzen mal ordentlich durchgecheckt werden. Eine Prozedur, die den ganzen ersten Urlaubstag eingenommen hatte. Gut, was sollte er auch anderes tun, obwohl ihm tausende Dinge eingefallen waren, war er doch nach seiner Ankunft allein gewesen. Natürlich freute er sich für April, sie hatte ihren Vater so lange nicht gesehen und unglaublich vermisst. Klar, dass die Navigatorin jetzt erst einmal die Zeit mit Eagle verbringen wollte.
 

Während dieser freien Tage war es im Kavallerie Oberkommando nicht ganz so ruhig. Das große Fest zu Ehren der Kriegshelden musste vorbereitet werden. Auch wenn dieses nicht im Oberkommando veranstaltet wurde, wurde alles auf Hochglanz poliert. Nach so einem Krieg konnte man ruhig die Hallen wieder auf Vordermann bringen, dachte man sich! Die Vier sollten aber nicht allzu viel davon erfahren und überrascht werden. Aufgrund des Flurfunks, den es nur zu gut auch im Oberkommando gab, sprach man im veröffentlichten Protokoll nur von einer Ehrung. In welchem Ausmaß, das ganze allerdings stattfinden sollte, ahnten die Star-Sheriffs nichts. Daher war Commander Eagle auch sehr bemüht, die Vier möglichst aus den ehrwürdigen Hallen des KOK’s fernzuhalten. Irgendjemand verquatschte sich immer, wusste er, er brauchte da nur an die Damen in der Verwaltung zu denken. Schmunzeln musste er, manchmal, dachte er, die Ladys dort wussten mehr als er! Nachdem nun auch Fireball endlich seine Pflicht erfüllt hatte, musste er den vier jungen Menschen regelrecht Urlaub befehlen! Natürlich ließ sich das der Rennfahrer nicht zweimal sagen und beschloss, da April in ihrem Elternhaus war, auf die etwas außerhalb liegende Rennstrecke von Yuma City zu fahren, um dort ein paar Runden zu drehen. Er war wieder in seinem Element und spürte das Benzin in seinen Adern. ‘Hoffentlich war das Rennen während des vermeintlichen Friedensvertrags keine Eintagsfliege gewesen!‘ dachte er sich. Allerdings musste er auch feststellen, dass er dringend wieder mehr trainieren musste. Ein so frühes Ende eines Rennens wollte er nicht noch einmal erleben wollen wie beim letzten Mal! Das war er sich und seinen Fans einfach schuldig!
 

April genoss ausgiebig die Zeit zu Hause. ‘Zu Hause‘, wie schön das klang, dachte sie und ließ ihre Gedanken schweifen, als sie an diesem Morgen in ihrem großen, weichen, frisch bezogenen, kuschligen Bett im Hause ihres Vaters erwachte. Selbst die Bettwäsche roch immer noch nach einer frischen bunten Blumenwiese, wie sie es immer kannte und es brachte sie zum Träumen an die gute alte Zeit. Nirgends ist es schöner als zu Hause und wie lange hatte dieses Gefühl vermisst.

Ja, allein schon auf Yuma zu sein war toll! Hier war sie aufgewachsen. Sie stieg aus ihrem Bett und streckte sich durch, bevor sich die Vorhänge bei Seite zog, die Sonne schien ihr ins Gesicht und so kniff darauf ihre Augen zusammen und blinzelte einige Male, um sich an die Helligkeit zu gewöhnen. Der Blick in den grünen Garten ließ sie auf schmunzeln. Etwas kitzelte an ihrem Bein und schob sich zur Seite. April grinste: “Hey guten Morgen!” und knuddelte den wuscheligen großen Hund, der neben ihr stand, durch sein dichtes weiches Fell. Sie liebte es und Jaqe genoss sichtlich Aprils Streicheleinheiten. Jaqe, ihr alter Fellnasenfreund aus Kindertagen. Mit Jaqe hatte sie so manches kleine Abenteuer erlebt. Er war immer an ihrer Seite gewesen, egal ob sie glücklich, oder traurig gewesen war. Sie wusste noch genau, wie ihr Vater damals mit einem Welpen nachhause kam, um sie von der Trauer abzulenken. Jaqe war immer an ihrer Seite gewesen, ‘ja‘, dachte sich April und musste leise lachen, er kannte sogar die ersten Entwürfe von Ramrod. “Eigentlich bist du ein Secret Hund, weißt du das du Wuschelkopf?” sprach sie mit ihm und Jaqe blickte ihr zufrieden entgegen. Sie ließ von ihrem felligen Gefährten ab und lief mit im knappen Nachthemd bekleidet in ihr Badezimmer, das wie alles in dieser französischen Landhausstil-Villa eingerichtet war. Ihr Blick fiel auf eine alte hochwertige Fliese auf dem Boden, auf der sich ein handbemaltes Veilchen befand. Eine Ecke war abgebrochen, als ihr als Kind einmal etwas darauf gefallen war. Ihr Vater wollte diese damals austauschen, doch sie liebte dieses Veilchen und es wurde repariert, doch sehen konnte man es immer noch. Sie schmunzelte dieser Erinnerung entgegen, es war tatsächlich alles noch so, wie sie es in Erinnerung hatte.
 

Charles saß am Esstisch im Wohnzimmer, die Glastür zur Trasse war leicht geöffnet und ein leichter Wind spielte mit der weißen besticken Gardine. Er kippte sich einen Kaffee nach. Er hatte seine Tochter ausschlafen lassen, wusste er doch zu gut, wie oft das in den letzten Monaten zu kurz gekommen war. Ein ausgiebiges Frühstück mit allerlei französischen Köstlichkeiten fand seinen Platz auf dem Tisch. Während er auf sein Kind wartete, telefonierte er. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Sonst war es, wenn er überhaupt zum Frühstücken gekommen war, ein Gespräch, das ihm ernsten Gesichtsausdrücke und Falten auf der Stirn bereitet hatte. Aber heute war er sehr entspannt und glücklich. „Ich freue mich auf dich, bis später!“, verabschiedete er sich mit liebevoller Stimme und legte auf. Er nippte von seinem Kaffee und nahm die Tages-Zeitung zur Hand, um sich auf den neuesten Stand zu bringen. Er vernahm nach einigen Augenblicken, die ersten Geräusche aus dem oberen Stockwerk. „Na, da ist wohl jemand wach!“, dachte er sich und freute sich seiner Tochter gleich einen kleinen Hinweis für den morgigen Abend zu geben. Schließlich kannte er sein Mädchen zu gut – ein bisschen Vorbereitung würde er auch ihr und ihren Freunden gönnen.
 

Eine viertel Stunde später genoss die kleine Familie Eagle ein ausgiebiges Frühstück. Auch Jaqe ließ sich das Fleisch in seinem Napft schmecken und leerte ihn schnell. Danach legte sich der Rüde unter den großen Esstisch in der Nähe seines Frauchens. Das war eigentlich immer ein guter Platz. Über dem Tisch wurde viel erzählt und gelacht. Seine Besitzer genossen sichtlich die Leckereien und vor allem ihre gemeinsame Zeit miteinander, auf die sie so lange verzichten mussten. Und da war dann der Moment, den sich der Hund erhofft hatte. April zupfte von einer Scheibe Putenbrust ein kleines Stückchen ab und versuchte möglichst unauffällig die Hand unter den Tisch wandern zu lassen. Just in diesem Moment zog der Commander die Augenbrauen nach oben und sah seine Tochter direkt an. Entschuldigend und leicht grinsend erwiderte sie den Blick ihres Vaters. Dieser seufzte kurz, er konnte ihr mal wieder nicht böse sein und fragte sich gerade, wer von den Beiden den besseren Hundeblick mimen konnte.
 

Als die angeregten Gespräche langsam verstummten, räusperte sich der Commander während April sich noch ein Stückchen von ihrem Croissant abzupfte und in den Mund steckte: „Schatz, da wäre noch eine Kleinigkeit, für morgen Abend“, begann er das Gespräch und versuchte die richtigen Worte zu finden. April blickte kauend auf: “Ah, ja, der Empfang, was ist denn damit, Daddy?”, fragte die junge Französin schon ganz aufgeregt. Eagle musste aufpassen, um nicht zu viel zu verraten, aber er musste ihr auch das andeuten, was er sagen wollte. April beobachtete ihren Vater und griff nach ihrer Tasse, ihre hübschen hellblauen Augen verfolgten die Bewegungen ihres Vaters. Eagle holte seine Brieftasche hervor und fischte eine kleine schwarze Karte heraus: “Kauf dir was Schönes!” und reichte sie seiner Tochter über den Tisch. “Es gibt einen Dresscode!“ Aprils Augen wurden groß, als sie diese großzügige Geste verstand. “Oh Danke Daddy!” sprang sie von ihrem Platz auf, rannte um den Tisch, um ihren schmunzelnden Vater zu umarmen.
 

Der Abend der Abende war gekommen, der schon einige Tage zuvor groß und vor allem medial angekündigt worden war. Die Kameras standen an diesem Abend bereit, letzte Vorbereitungen wurden getroffen. Der mindestens zehn Meter lange und breite roter Teppich vor dem Eingang des City-Theaters wurde noch einmal abgefegt. Fans warteten vor Ort auf ihre Helden, um sie mit Jubel und Applaus zu empfangen. Schließlich wurde alles, was Rang und Namen hatte, erwartet. Und auch die, die unbedingt gesehen werden wollten! Die Live-Übertragung lief bereits seit einer Stunde. Robin war schwer indes damit beschäftigt, ihren Cowboy zu zähmen! Die Nacht war alles andere als leicht gewesen, ok, nickte sie sich zu, so schlimm war es nicht, sie war sehr intensiv, musste sie schmunzeln. Doch nun war sie damit beschäftigt, den Lockenkopf von der unbequemen Fliege zu überzeugen und sehnte sich gerade sehr nach ihrer lebhaften Schulklasse!

“Ich kann das Hemd doch einfach unter diesen … was ist das hier überhaupt?” fragte er. ”Das ist eine Weste, sie gehörte nun mal einmal zu einem Frack!” erklärte Robin, die ihm bestimmt zum dritten Mal die Fliege am gut gestärkten Hemdkragen anbringen wollte. “Das meinte ich nicht!” sprang Colt zur Seite, um Robins Würgeattacke zu entgehen. “Ein Zylinder!” - “Nein sowas trage ich nicht!” weigerte sich Colt erneut! “Ich seh aus wie Papa Pinguin!” Jetzt reichte es Robin, sie zog ihre Augenbrauen streng zusammen und sprach im festen Ton: “Cowboy, du machst jetzt sofort diese Weste zu und lässt mich dir diese Fliege umbinden!” Colt sah seine zarte Robin überrascht entgegen. Die Blondine kam nah an ihm heran und sah ihn fest in seine blauen Augen: “Und der Hut wird getragen, sonst tanz’ ich Rodeo mit dir!” drohte sie. Colt, der Robin gerade nicht wiedererkannte, entspannte nach einigen Augenblicken seine Gesichtsmuskeln und ein freches Grinsen, legte sich auf diesem. Er zog Robin nah an sich heran und flüsterten ihr mit leiser heiseren Stimme ins Ohr: „Weißt du, dass du unheimlich sexy bist, wenn du so streng bist. Das hast du mir letzte Nacht noch gar nicht gezeigt … wir könnten ja …“ und er küsste ihren Hals. Er hatte ihr diese Worte so lasziv in ihr Ohr gesprochen, dass Robin eine Gänsehaut nach der nächsten bekam und sich in seiner Liebkosung kurz verlor. Doch dann kam sie wieder in die Realität zurück, als ihr Blick zufällig über die Uhr an der Wand huschte. Sie streckte sich durch. Sie durften nicht zu spät kommen! Robin nutzte die Nähe und band Colt die Fliege um. “Was?” ächzte der Lockenkopf überrascht auf, er war doch schon in einer ganz anderen schöneren Dimension unterwegs gewesen. “Schluss jetzt Colt! Wir müssen los!“ versuchte sie auch ihn wieder zu klarem Verstand zu bekommen. “Ach so und alles andere, später Cowboy!” sagte Robin und sie huschte in ihre neuen hochhackigen Schuhe. Colt drehte sich ein wenig beleidigt dem Spiegel zu und murmelte vor sich her, als er sich die – Frackjacke, nannte man die so? - anzog. ‘Warum das Schöne immer später?‘ fragte er sich brummend.
 

Fast genauso, aber nicht so heiß, lief es bei Fireball und April ab. Die Diskussion um den Dresscode hatte der Rennfahrer bereits mit seiner Freundin beim Herrenausstatter geführt. Er ergab sich seinem Schicksal, mit Aussicht auf ein gutes Essen. Trotzdem hatte er das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. ‘Kein Wunder, dass die Herren von und zugenäht immer so geschwollen daherreden, die bekommen ja auch über Stunden hinweg kaum Luft!‘ schlussfolgerte er logisch. “Huie!” kam es aus seinem Mund, als er sich umdrehte und April in einem rotweißen, leicht schimmernden, mit hübschem nicht zu viel preisgebenden Ausschnitt vor ihm stand. Ein Teil ihres langen Haares war raffiniert hochgesteckt, die restliche Mähne umschmeichelte ihren Rücken. Ein schönes Abend-Make-Up betonte ihre ausdrucksvollen Augen. Der passende Lippenstift komplettierte ihr Outfit perfekt, wie Fireball fand.

Saber nahm die letzten Handgriffe an seinem edlen Zwirn vor. Den Zylinder hatte ihm sein Vater zukommen lassen. ‘Der Glückszylinder der Riders‘, musste er schmunzeln und setzte ihn sich auf. Er war kein Hutträger, doch es verlieh ihm immer wieder eine gewisse Eleganz. “Du schaust aus wie ein Adliger aus dem 18. Jahrhundert. Nur Sexier!” Saber nickte seiner schönen Sincia zu, die ein zartes, aber auffälliges knöchellanges Kleid mit Schlitz an den Beinen trug. “Du siehst wunderschön aus!” komplimentierte er ihren Anblick und nahm ganz Gentleman like seinen Hut vom Kopf. Sincia machte einen Knicks und beiden mussten lachen.
 

Die Limousinen fuhren im Minutentakt vor: Stars und Sternchen stiegen aus. Namen aus Politik, Militär und Wirtschaft gaben sich die Ehre. Und die vier Helden des Abends standen ganz klar auf dem Teppich, der die Welt bedeutete, im Mittelpunkt. Der Cowboy sorgte für den ersten Dresscodebruch. Er war doch tatsächlich mit einem seiner besten Cowboyhüte aus der Limousine ausgestiegen. Robin machte gute Miene zum Spiel. Arm in Arm liefen sie den Teppich entlang, gefolgt von Fireball und April. Robin und Colt stellten sich neben Saber und Sincia, die bereits abgelichtet wurden. Das reinste Blitzlichtgewitter brach um sie aus. Robin kniff Colt in seinen Rücken, doch sie lächelte ihr schönes Lächeln in die Kameras. Durch den Cowboy zog sich ein brennender Schmerz, sein Zahnpasta-Lächeln gefror für Millisekunden ein. “Na warte Freundchen!”, sprach ihn Robin zwischen ihren lächelnden Zähnen zu. “Was legst du mich dann etwa übers Knie?”, fragte auch er weiter lächelnd in die Kameras. “Das wirst du erleben, Cowboy!”, drohte Robin. Und die beiden liefen gemeinsam weiter Richtung Theatereingang. Fireball der das nuschelnde Gespräch der Beiden mitverfolgt hatte, war etwas irritiert. “Da denkste du kennst jemanden gut und dann …?” begann Fireball, doch Saber schob seinen jungen Freund lachend weiter: “Komm lass uns hineingehen!”
 

Nach dem Dinner wurde eine lange, eine sehr lange Laudatio auf die vier Helden des neuen Grenzlandes von Commander Eagle gehalten. Sie wurden auf das Podest gebeten und ein schier nicht enden wollender Applaus hallte durch den Festsaal, als sie ihre Auszeichnungen erhielten. Saber, Colt, April und Fireball ließen es über sich ergehen, wussten sie doch wie wichtig das auch für das Oberkommando war. Jetzt, wo der Krieg vorbei war, mussten die Gelder für das Militär trotzdem weiter fließen und wenn das durch ein paar Fotos möglich war, taten sie es. Aber ein wenig genießen taten sie es auch, natürlich würden sie das niemals zugeben, aber es tat auch mal gut so im Mittelpunkt zu stehen! Und verdient hatten sie es sich alle Male.
 

Nach endlosen Interviews und Beglückwünschungen widmete man sich guten Gesprächen. Die Damen freuten sich auf das Tanzen. Doch die vier standen noch ein wenig zusammen. Colt und Fireballs Fliegen hatten bereits den Abflug gemacht und der Zylinder des Japaners war auch nicht mehr auffindbar gewesen. Der Cowboy ließ es sich nicht nehmen und sprach Saber auf seinen Zylinder an. “Das ist der Glückszylinder der Riders, er ist schon seit Generationen in unserer Familie!” erklärte Saber stolz und drehte den ehrfürchtigen Hut in denen Händen. Fireball und Colt tauschte vielsagende Blicke aus: “Als Glück würde ich es bezeichnen, wenn du daraus jetzt ein Kaninchen ziehst!” kommentierte der Lockenkopf, das Gesagte des Säbelschwingers. Der Schotte sah Colt mit überraschten Augen an. Die Umstehenden verkniffen sich erfolglos ein Lachen.
 

April hielt Ausschau nach ihrem Vater, den sie seit der Ehrung nicht mehr gesehen hatte. Hatten sie und Fireball doch vor, ihre Beziehung öffentlich zu machen. Sie erblickte ihren Vater einige Meter weiter zusammen mit einer Dame, vielleicht Mitte 40, aber einen genauen Blick hatte sie jetzt nicht dafür. Überglücklich winkte sie ihm zu, denn auch er schien nach jemanden Ausschau zu halten. April lächelte und freute sich ihren Vater gemeinsam mit Fireball ihre good News mitzuteilen! Doch ihr Lächeln wurde immer weniger, als ihr Vater mit der Dame in seinem Arm immer näher kam. Ihr Vater hatte einen ganz anderen Gesichtsausdruck, er gefiel April keine Frage, denn er sah glücklich aus, aber doch war es für sie ungewohnt ihren Vater so eng mit einer ihr noch unbekannten Frau zu sehen. “Holla, die Waldfee, was hat sich denn unser Commanderchen da gefischt?!” Die Aufmerksam war nach diesem Satz ganz klar bei Colt. Saber und Sincia schauten zusammen mit Robin, April und Fireball in die Richtung, die der Cowboy ihnen zunickte. “Oh!” kam es von Robin und Sincia erwartungsvoll und die beiden Musterten Commander Eagles Begleitung neugierig. Saber, Fireball und vor allem Colt taten natürlich nichts anderes.
 

Eagle erreichte die Gruppe. April wollte gerade freudestrahlend etwas ansetzen. Doch ihr Vater begann ohne Umschweife zu reden: “Da ihr alle gerade so schön zusammensteht, möchte ich euch meine bezaubernde Begleitung vorstellen“, begann Charles als er seine Tochter mit ihren Freunden erreicht hatte. Colt nahm seinen Hut vom Kopf und spitze leicht seine Lippen. Fireball blickte mit großen erstaunten Augen abwechselnd von Eagle und zu der Dame in seinem Arm. Saber und Sincia tauschten erstaunte Blicke aus, lächelten den Beiden aber entgegen. “Das ist Chloé Chalee!” stellte Commander Eagle vor. Der Name klingelte förmlich in den Ohren. “Und das hier sind Saber Rider und die Star-Sheriffs, Saber Rider mit seiner Verlobten Sinicia, Colt ebenfalls leiert mit Robin und Fireball seinerzeit Rennfahrer und meine bezaubernde Tochter April!” Chloé lächelte April entgegen: “Ravi de vous rencontrer (Schön dich kennenzulernen) meine Liebe, ich habe schon viel von dir gehört, fast schon zu viel!”, begrüßte Chloé mit einem sehr festen französischen Akzent die Tochter des Commanders, streckte ihr ihre Hand lasziv entgegen und lachte erheiternd auf. April überhörte gekonnt den letzten Teil von Chloés Satz und lächelte der Frau entgegen. Obwohl ihr gerade so viel auf der Zunge lag, würde sie es nie wagen ihren Vater hier jetzt bloßzustellen. Doch was hatte das eigentlich zu bedeuten? Sie schaute völlig perplex zwischen Chloé und ihrem überglücklichen Vater hin und her. Langsam streckte auch sie ihre Hand der mittelblonden Frau entgegen, um sie zu begrüßen, was April fast vorkam wie die Geste einer Königin. Sollte sie da jetzt noch einen Knicks zu machen? “Es ist schön Sie kennenzulernen und ich freue mich, dass Sie heute Abend die Begleitung meines Vaters sind!” sagte April so formell sie konnte. Chloé lachte und sah Charles dabei entgegen, während sie ihm kurz über die Brust strich: “Heute!” kam es von ihr besonders betont und reichte ihre Hand weiter. April blickte vorsichtig in die Runde ihrer Freunde, die Chloé jetzt ebenfalls begrüßten.

“BonBon, welch ein erfreuliches Kennenlernen!” versuchte sich Colt in seinem besten Französisch und hatte Mühe seinen Blick nicht abschweifen zu lassen, sondern an Chloés Augen festzumachen. Ein erneuter brennender Schmerz stieg diesmal von seinem Hintern auf. Robin hatte ihn doch tatsächlich gekniffen. Colt ließ von Chloé ab und sah seine Frau erste einmal vollkommen entsetzt an. Robins Blick erzählte ihm, was sie von der Sache hielt.

“Ich bin erfreut Sie kennen zulernen Misses Chloé Charlee!” begrüßte der Schotte die Dame an der Seite seines Commanders. “Chloé lächelte den Schotten entgegen: “Ganz meinerseits, aber nennen Sie mich doch Mademoiselle Chloé!”, berichtigte sie Saber charmant. Saber war für einen kleinen Moment sprachlos, lächelte der Frau vor sich aber weiterhin freundlich entgegen: “Natürlich gerne! Mademoiselle Chloé.”

Eagle lächelte, verabschiedete sich aber auch sofort schon wieder: “Entschuldigt, doch wir müssen noch König Jarred begrüßen!” erinnerte sich Charles, den wichtigsten Bündnispartner konnte und durfte er nicht warten lassen. Chloé winkte den Helden und den Damen zu und wandte sich noch einen Moment April zu: “Et que les choses soient claires, April! Maintenant, c'est fini papa par-ci, papa par-la!” (Und damit eins klar ist, April! Jetzt ist Schluss mit Daddy hier - Daddy da!) säuselte sie freundlich der Tochter des Commanders zu, der sich aber schon wieder in einem neuen Gespräch befand. Sie wandte sich danach langsam ab und hackte sich wieder wie selbstverständlich in seinen Arm ein. April sah der Frau mit leicht geöffneten Mund nach. Die Welt und sie herum schien gerade stillzustehen.
 

“Na, da lässt aber jemand ganz schön tief blicken!” holte sie die Stimme ihres Freundes wieder zurück ins hier und jetzt. April zog ihre Augenbrauen zusammen und sah Fireball neben sich wütend an. Colt, der seinem Freund nickend zustimmte, hörte, als er den Blick der Blondine sah, sofort damit auf. “Ups!” kam es erschrocken vom Rennfahrer und zog seinen Kopf ein.

Saber trat etwas hervor: “Eine sehr attraktive Dame!” kam es jetzt auch noch vom Schotten. Robin stemmte ihr Hände in die Hüften. “Sagt mal!” hörte man von Sincia. “Was ist denn Ladies? Lasst ihn doch auch mal Spaß haben, er ist auch nur ein Mann der …” weiter kam der Cowboy nicht, die Kopfnuss von April saß. “Was ist denn los April?” fragte Fireball, der die Reaktion gerade etwas übertrieben fand. “Was los ist, fragst du?!” wiederholte April. Sie konnte gerade nicht fassen, dass ausgerechnet Fireball gerade nicht wusste, was hier los ist. “Hey, wartet jetzt mal!” stellte sich Robin zwischen die beiden. “Warten wir erst einmal ab!” stiftete die Lehrerin erst einmal Frieden im beschwichtigenden Ton. “Genau, gönn es deinen Vater!”, brach der Cowboy diesen auch gleich wider.

“Sagt mal, ihr denkt wohl auch nur mit einem Körperteil?!” mahnte Robin, die sich durchaus vorstellen konnte, was die Jungs nur gesehen hatten. “Ach, ist das ein Wunder?!” fiel Colt darauf seiner Liebsten ins Wort: “Wer verlangt denn, dass wir stundenlang kaum Luft bekommen? Da kommt doch kein Sauerstoff mehr in die Synapsen, kommt der doch nicht mehr!” sprach er ein wenig aufgebracht, um sich und seine Freunde zu verteidigen. Saber legte dem weiblichen Star Sheriff freundschaftlich die Hand auf ihre Schulter: „Komm, wir wollen uns doch davon jetzt nicht den schönen Abend verderben lassen“, redete er sanft auf sie ein „unseren Abend“ betonte er noch und warf den anderen einen mahnenden Blick zu. Robin schloss sich Saber, Sincia und April an. Colt und Fireball bleiben zurück und atmeten erste einmal tief ein.
 

“Feuer hat sie ja!” kommentierte Fireball. Colt nickte: “Ja und die Kurven an der richtigen Stelle!” Der Rennfahrer sah Colt fragend an: “Ich meinte Robin!” Colt setzte sich seinen Hut auf und räusperte sich: “Ja, ich doch auch, meinte ich!” und lief schnell seiner Robin nach. Fireball sah sich um: “Oh man, das kann ja noch was werden!” murmelte er vor sich und folge den Anderen.
 

Was durch die Aufregung niemand bemerkt hatte, war das süffisante und äußerst zufriedene Lächeln, das Chloés Gesicht zierte, die ihren Kopf nochmals zu der Gruppe junger Leute gedreht hatte. Während sie eng – Arm in Arm – neben dem Commander stand, der sichtlich in ein Gespräch mit dem König und dessen Sohn vertieft war.

“Magnifique!” flüsterte sie.

"Ja ist es denn die Possibility?!" 😉

 
Beitrag veröffentlicht am : 21. April 2024 15:24
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April_Eagle_Wilcox
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02 Attrapé

 

Zwei Wochen später: Der Empfang hatte die Vier doch ganz schön mitgenommen, er war das Tüpfelchen für ihre mentale – und auch körperliche Erschöpfung gewesen. Direkt danach ist jeder seine eigenen Wege gegangen, auch um voneinander eine Pause zu haben, das kam in den letzten Monaten viel zu kurz. Bevor sie wieder gezwungen waren, rund um die Uhr gemeinsam „in der Sardinenbüchse“ – wie Colt Ramrod nach einer gewissen Zeit gerne bezeichnete – aufeinander zu hocken. Auch wenn man sich privat noch so gerne hatte, war es nach längeren Missionen schon eine Herausforderung! So war es die perfekte Möglichkeit, ihre Beziehungen auch außerhalb des Teams zu pflegen und eventuell zu vertiefen. 

 

Saber hatte beschlossen, Sincia seine Heimat Schottland zu zeigen. Die Highlands hatte er ihr bisher nur anhand von Videos oder Bildern zeigen können. Und Sincia freute sich, endlich Zeit mit dem blonden Star Sheriff, der jetzt gerade nur ihr gehörte, zu verbringen! Sie erinnerte sich, wie Saber ihr von seinem Schottland erzählte und es mit eigenen Augen gesehen haben musste, vor allem die einzigartige Natur. Die Geschichte rund um die Clans zu erfahren und die Menschen, die manchmal sehr distanziert und rau wirken konnten, kennenlernen. Im Shuttle Richtung Erde träumte sie bereits davon, den Frühling, der in Schottland begonnen hatte, zu erleben, besonders der schottische Stechginster gefiel ihr, er war einfach überall auf den Bildern, die sie bis jetzt gesehen hatte, vertreten gewesen. “Wir werden kilometerweit über weiches Moos, laufen können und du wirst den Wind in deinen Haaren spüren” hatte er ihr erzählt. Tief atmete sie ein und schlief mit diesem Bild ein. Saber der während des Fluges etwas las, schaute neben sich. Sincia war mit einem Lächeln eingenickt, er freute sich sehr auf seine Eltern, die froh gewesen waren, als sie ihn über Hypercom gesund und munter, nach der letzten Schlacht wieder gesehen hatten. Natürlich waren sie auch sehr neugierig auf Sincia. Vor allem seine Mutter hatte darauf bestanden, Sincia auf jeden Fall mitzubringen! Immerhin hatte er sich mit ihr verlobt und das wollten sie im Schloss seiner Eltern auch feiern! Sincia wachte wieder auf, sie war einfach zu nervös: „Und du bist dir sicher, dass sie mich mögen werden?“, durchbrach sie die Stille. Es war ja eh immer schon aufregend, die Eltern des Partners kennenzulernen. Aber mit Adligen hatte Sincia noch keine Erfahrung, diese tatsache machte es noch aufregender, sie wusste einfach nicht, wie sie sich verhalten sollte. “Was, wenn sie nicht genügen würde oder seine Eltern eine andere Vorstellung als eine kleine Erzieherin für ihren Sohn hatten‘, ging es ihr durch den Kopf und atmete schwer ein. „Sie werden dich genauso in ihr Herz schließen, wie ich es getan habe“, versicherte ihr der Schotte und zog sie dabei zärtlich in seine Arme. Er hatte deutlich ihren Gemütszustand gespürt und ihre Befürchtungen auch gut verstanden. Ein sanfter Kuss darauf machte ihr wieder Mut und ließ sie wieder schmunzeln.

 

Colt und Robin hatten Joshua im Ferienlager verabschiedet und sind so schnell sie konnten direkt in Robins Wohnung gefahren, um die wenigen Tage, die sie miteinander hatten zu genießen. Der Cowboy ließ sich diese Einladung natürlich nicht zweimal geben. Gründlich inspizierte er gemeinsam mit seiner Liebsten alle Räume der viel zu kleinen Wohnung, wie Colt fand. Obwohl, die wichtigen Dinge im Leben, das musste der Lockenkopf feststellen, klappten auch in der kleinsten Kammer. „Ich hab mir immer solche Sorgen um dich gemacht, Colt. Vor allem als du aus dem Krankenhaus abgehauen bist!“, erzählte Robin, als sie sich Arm in Arm von ihren schweißtreibenden Aktivitäten erholten. Colt nickte: „Ich weiß. Es tut mir leid, dass ich dir damit solche Angst bereitet habe.“ gestand er ihr ehrlich, während er seine Hand zärtlich an ihre Wange legte und mit dem Daumen die Konturen ihrer vollen weichen Lippen nachzeichnete. „Aber es ist auch mein Job“, sprach er vorsichtig weiter. Er wusste zu gut, welche Gratwanderung dies für seine Robin bedeutete und er spürte, wie sie versuchte verständnisvoll zu sein, auch wenn es gegen ihre Natur war. Das war eine der Eigenschaften, die er so sehr an ihr liebte. Das war nicht immer leicht für die Lehrerin und sie hatte ihre schwachen Momente. Robin nickte, schloss die Augen und drückte sich sanft gegen seine Hand. „Aber jetzt bin ich ja da“, hauchte der Texaner seiner Freundin zu und beugte sich über sie, ehe er sie erst sanft und dann immer fordernder küsste. Diese Frau machte ihn allein mit ihrer bloßen Anwesenheit verrückt und er wollte sie jetzt nochmals. 

 

April war dank der Aufmerksamkeit von Chloé nicht mehr dazu gekommen ihrem Vater von Fireball und sich zu erzählen, aber sie hatte beschlossen diese freien Tage als Paar zu genießen. Der Rennfahrer hatte sie mit einem Trip nach Talina-Beach, an die Westküste Yumas überrascht. Sonne, Strand und Meer! Schnell war auch der passende Bikini gefunden gewesen und ab ging es.

 

Fireball dachte da an andere Möglichkeiten, nachdem der erste Strandkuss, vor einigen Monaten, so abgeschmettert worden war. Musste er sich eine andere Taktik überlegen, um seiner Freundin den ersten innigen Kuss entlocken zu können, ohne gleich dafür wieder eine Ladung Sand ins Gesicht zu bekommen! Aber immerhin hatte er keine Flugstunde, wie ein gewisser blauhaariger Überläufer bekommen. “Ein Mann musste sich die Gunst erstmal erarbeiten, eine Frau küssen zu dürfen!” Hatte ihm Colt gesagt und so wie es aussah, war diese Kuhhirten Weisheit tatsächlich auch wahr! “Ob sie es ihm diesmal erlauben würde?” Kreisten seine Gedanken. Seine Strategie war tatsächlich nach dem ersten Tag aufgegangen. Aus dem erst kleinen und zaghaften Hauch, an denen sich ihre beiden Lippen schmetterlingshaft berührt hatten, war schnell ein wunderschönes, fast atemloses Lippenbekenntnis geworden. 

 

Aprils Herz klopfte so heftig in ihrer Brust, dass sie Angst gehabt hatte, dass jeder es hören könnte. Es kribbelte einfach überall. Mit leicht geröteten Wangen hatte die junge Französin Fireball angesehen, nachdem er den Kuss gelöst hatte. Sie sah so verdammt süß und sexy aus, wie sie sich etwas verlegen auf die Unterlippe nach dem Kuss biss, fand Fireball. So sehr, dass der Rennfahrer den Kuss gleich nochmals wiederholte und es damit zwischen ihnen besiegelte. Sie waren ein Paar. Die nächsten Tage machten sie alle möglichen Ausflüge und Unternehmungen oder ließen sich im Spa Bereich des Hotels verwöhnen, einfach mal nichts tun, war genug, damit sich ihre geschundenen Körper erholen konnten. Es war göttlich. Nach diesem Tag der völligen Entspannung und Ruhe blieb es in jener Nacht nicht nur allein beim Kuscheln und Schmusen. In dieser Nacht kam sich das verliebte Paar so nahe, wie noch nie zuvor. 

 

Am frühen Morgen waren sie wieder in Yuma-City gelandet und hatten ihr Gepäck in ihre Apartments geschafft. Nach einem gemeinsamen Mittagessen in einem kleinen französischen Bistro verabschiedete sie sich von Fireball für den restlichen Tag. 

 

„Kleines, mach dir keinen Kopf“, sprach Fireball liebevoll auf seine Freundin ein: „Wer weiß, wie ernst das überhaupt mit Chloé ist. Vielleicht ist sie ja schon Geschichte oder war nur eine besonders nette Begleitung für diesen Abend gewesen …“ hatte er ihr versucht Mut zuzusprechen. 

 

Fireball wusste, dass April die Begegnung auf der Feier belastete. Auch, wenn er nach wie vor der Meinung war, dass April bestimmt auf jede Frau, die sie von ihrem Vater vorgesetzt bekommen hätte, so ihre Schwierigkeiten gehabt hätte. Das war irgendwo sogar nachvollziehbar! Schließlich kannte sie es bisher nicht anders. Fireball wusste selbst, wie komisch es für ihn selbst damals gewesen war, als seine Mutter einen neuen Partner gefunden hatte. Allerdings war er noch viel jünger, als April jetzt gewesen. Sie war erwachsen und konnte rationaler denken und handeln als ein Kind oder Teenager. April hatte zwar niemanden den Satz, den Chloé ihr an den Kopf geknallt hatte, übersetzt. Doch es war dem Japaner nicht entgangen, dass sich danach die Stimmung seiner Freundin gewandelt hatte. April umarmte ihn fest und amtete seinen Geruch tief ein, der ihr plötzlich viel vertrauter war und legte ihren Kopf gegen seine Brust, bevor sie in ihren Wagen steigen würde. „Danke, dass du da bist, Fireball!“, säuselte sie leise. Fireball griff nach einer kleinen vorwitzigen Strähne, die ihr im Gesicht hing und strich sie April hinter das Ohr und küsste sie: „Meld dich nachher mal“, entgegnete Fireball, nachdem sie den Kuss beendet hatten und lächelte seiner Freundin aufmunternd zu. „Mache ich und danke für alles!“, sagte sie mit einem verliebten Blick. „Kein Thema!“, entgegnete er und öffnete ihr ganz gentlemanlike die Autotür. April stieg ein und schenkte ihm ihr schönstes Lächeln, als sie ihm zum Abschied winkte. 

 

April hatte ein Ziel und das war ihr Vater, sie wollte sich persönlich bei ihm zurückmelden und überraschen. Vielleicht kam auch da der richtige Moment, in dem sie ihn in ihr neues Liebesglück einweihen konnte. Ein “HiHi!” sprach sie ihre Gedanken hörbar aus, während sie allein im Auto saß. Ihr Herz begann abermals zu schnell zu klopfen, als ihr die letzten gemeinsamen Tage mit Fireball noch einmal durch den Kopf gingen. ‚Mein Freund’ kicherte sie erneut etwas in sich hinein, es war so neu und wie schön das klingt. Und sie wiederholte es noch einmal. April wusste gar nicht, wann sie das letzte Mal so einen schönen Urlaub gehabt hatte. Na ja und es war mehr passiert, als sie gedacht hatte. Bei dem Gedanken an ihr erstes Mal mit Fireball spürte April, wie ihr innerlich warm wurde, nur um im nächsten Moment eine sanfte Gänsehaut zu bekommen. Die an ihrem Haaransatz ausging und sich auf ihren ganzen Körper ausbreitete bis hin zu ihrem kleinsten Zeh. Eine leichte Röte umspielte ihr Näschen, als sie in den Straßenverkehr einbog. Sie beschloss ihren Vater auf Chloé anzusprechen, egal ob es der passende Rahmen war, oder nicht! Sie musste einfach wissen, was da zwischen den beiden los war! Und es war doch als Tochter ihr recht, oder etwa nicht? “Mademoiselle Chloé” flötete sie vor sich hin, als sie den Blinker setzte, vielleicht hatte es sich ja tatsächlich schon von selbst erledigt! Ein wenig sauer war sie ja schon, die Worte von “Mademoiselle Chloé” bekam sie nicht mehr aus ihrem Kopf. Dieser Unterton schon bei der Begrüßung. Warum hat Daddy hierzu eigentlich gar nichts gesagt‘? Fragte sie sich, während sie den Highway verließ Richtung Ortsrand, wo sich die französische Landhaus-Villa ihres Vaters befand. Sie seufzte ein wenig: „Hoffentlich wird alles gut!“, sprach sie vor sich, auch um sich Mut zu machen. Die Blondine konnte nicht sagen, was es war, aber irgendwas in ihrem Inneren hatte so gar kein gutes Gefühl bei dieser Frau. Ob die Jungs recht hatten, dass sie sich einfach nur an den Gedanken gewöhnen und mit ihr warm werden musste? Aber warum dann dieser blöde Satz? Sie selbst hatte sich trotz dieser Spitzen höflich und freundlich verhalten. ‚Daddy mag so etwas eigentlich gar nicht! Er hat mir auch beigebracht, sich immer offen und freundlich einer Person gegenüber zu verhalten. Gerade, wenn man sich erstmals gegenüber steht. Warum sagt er bei ihr denn nichts? Daddy legt doch sonst Wert auf gutes Benehmen!‘ Die Schmetterlinge im Bauch wurden immer weniger, je näher sie dem Haus, in dem sie aufgewachsen war, kam. Sie nahm sich vor “Mademoiselle Chloé” fürs erste ausklammern und freute sich ihren Vater wiederzusehen. Sie schielte kurz zum Beifahrersitz, wo die Mitbringsel, aus ihrem Urlaub für ihren Vater und natürlich auch die Lieblingsleckerlies für Jaqe bereitlagen! Aber irgendwie hing diese dunkle Wolke trotzdem noch. Sie schaltete ihre Lieblingsmusik ein, um die Fahr noch ein bisschen genießen zu können! Eine viertel Stunde später erreichte die Navigatorin die kleine niedliche Seitenstraße, in der sich noch weitere Häuser im französischen Stil befanden. Und dem kleinen Park am Ende der Straße würde sie mit Jaqe auch heute noch einen Besuch abstatten! 



April parkte ihren Wagen, vor der offenstehenden Garage und stieg aus. „Zu Hause“. Wie herrlich doch dieser Ort war, der ihr immer Sicherheit und Geborgenheit spendete. Sie musterte ihr Elternhaus und den liebevoll angelegten Vorgarten, der in voller Blüte stand und atmete entspannt tief ein und aus. Sie öffnete den Kofferraum, um ihre Habseligkeiten herauszuholen.

 

Die Ankunft der jungen Frau war im Haus natürlich nicht unbemerkt geblieben. Jaqe, der 12 Jahre alte Brenner Sennenhund hatten den Wagen seines Frauchens schon auf den Hof fahren hören. Ihr Auto hörte er aus hunderten heraus. Früher, als er noch etwas jünger war, hatte er sie schon weit vor der Einfahrt ausmachen können. Aber so nagte der Zahn der Zeit auch am Gehör des Rüden. So schnell er in seinem Alter konnte, war er zum Fenster geeilt, hatte sich behäbig auf die Hinterbeine gestellt, sich mit den Vorderpfoten abgestützt und blickte aufgeregt nach draußen. Sobald er April sah, wurde das Schwanzwedeln mehr und er tänzelte so gut er noch konnte. Schließlich musste sein Frauchen anständig begrüßt werden!

 

Der Schlüssel drehte sich im Türschloss, vorsichtig öffnete April die Haustür, sie wusste genau, wer dahinter schon auf sie warten würde: “Bonjour Jaqe!” begrüßte sie ihren Freund aus Kindertagen und ging in die Knie. Sie lächelte und Jaqe schleckerte der Blondine einmal über die Wange, konnte es schöner sein, als so begrüßt zu werden? 

 

Fest drückte sie ihren großen, starken, schon in die Jahre gekommen Freund, an sich. Jaqe ließ kleine Jaulgeräusche von sich. April lachte und stand wieder auf, Jaqe wich nicht von ihr: “Ja, warte doch!” lachte April weiter vergnügt, als sie sich mit ihren schweren Taschen an den sich freuenden Jaqe vorbeidrängte. Sie stellte, mit einem kleinen erschöpften Stöhnen ihre Tasche ab, Jaqe streifte um ihre Beine und verlange nach weiteren Streicheleinheiten. Schnell fischte die Blondine die extra gekauften Leckerlies hervor und Jaqe ließ sich einen schmecken. “Bist du etwa alleine? Wo ist Daddy?”, fragte sie den Berner Sennen Hund und streichelte ihn hinter seinem wuscheligen Ohr. Dass Jaqe nicht alleine sein konnte, wusste sie, schließlich stand der Wagen ihres Vaters in der noch geöffneten Garage, vor der sie geparkt hatte. Nachdem sie Daddy im Erdgeschoss nicht vorgefunden hatte, ging sie instinktiv Richtung Treppe, Jaqe folgte ihr langsam.



Im obersten Stockwerk angekommen, hielt sie einen Moment inne, Jaqe war auf Aprils plötzlichen Stillstand nicht vorbereitet gewesen und seine Reaktionszeit war auch nicht mehr die beste, so stupste er die Blondine etwas weiter in den breiten Gang: “Püüscht!” zeigte sie dem Hund an, der darauf seinen großen Kopf zur Seite neigte. Aprils spitzte ihre Ohren und schlich nahezu in die Richtung des unbekannten Geräusches. Sie stoppte abermals und bekam große Augen, das Geräusch kam aus dem Zimmer ihres Vaters. `Er ist also doch da‘, nickte sich April bestätigend zu. Freude stieg in ihr auf, nun konnte sie ihm alles von ihrem Urlaub erzählen und ihre Mitbringsel präsentieren! Eventuell, überlegte sich kurz, würde sie auch schon von ihren neuen Beziehungsstatus berichten, aber nur vielleicht, kicherte sie ein wenig.

 

Euphorisch umgriff sie die Türklinke und riss die Tür ohne überhaupt darüber lange nachzudenken auf. „Salut Daddy! Ich bin wieder …“, und tänzelte hinein … stoppen konnte sie ihre Aktion nicht mehr, hielt aber noch die Klinke fest in ihrer Hand. Alle Gesichtszüge, inklusive Farbe wichen von ihr und ihr blieb regelrecht jedes weitere Wort im Halse stecken. Ihr Augen wurden Teller groß vor Schreck, erstaunen oder Pain? Sie wusste es nicht, bei der Szene, die sich da gerade vor ihr abspielte. Schlug ihr Herz überhaupt noch? So wie ihren Herzschlag vermisste sie auch ihre Atmung. Ihr wurde heiß und kalt und das zur selben Zeit, war das überhaupt möglich? Dazu bildete sich ein dicker, schmerzvoller Kloß in ihrem Hals. Hätte sie die Türklinke nicht als halbwegs gute Stütze fest in ihrer Hand gehabt, hätte ihr das Gesehene vermutlich den Boden unter den Füßen weggezogen.

 

Nicht nur April sah erschrocken ins Zimmer. Ein blaues und ein grünes Augenpaar sahen sie genauso schockiert an. Auch ihnen war die Farbe aus ihren Gesichtern gewichen. Die Luft war auf einmal so dick, man hätte sie schneiden können. 

 

April schluckte hart, ihre Augen suchten einen Punkt, an denen sie sich festhalten konnte, aber es bleib nur die Flucht, ein Rückzug aus der doch sehr unangenehmen Situation. Ehe sie jedoch handeln konnte, stotterte sie noch ein: „Pardon …“, in den Raum. Und war so schnell wieder draußen, wie sie im Raum gestanden hatte, allerdings nicht mehr so freudig euphorisch, aber mit noch mehr Herzrasen. Ja, nahezu panisch war sie. Sie hoffte nur, dass ihre Beine ihrem jetzt eintretenden Fluchtreflex gehorchen und sie so schnell es ging wegtragen würden. Schwungvoll fiel die Tür wieder ins Schloss und April stürzte beinahe über Jaqe, der gerade auch neugierig in das Zimmer seines Herrchens schauen wollte. Sie flitze mit hochroten Kopf die Treppen hinunter.



Charles hatte im ersten Moment seine Sprache verloren und gerade als die Tür ins Schloss fiel, kam ein leises „April …!“ über seine Lippen. 

 

Aufgeregt und mit klopfendem Herzen und einem hochroten Kopf lief April im Erdgeschoss wie ein aufgescheuchtes Huhn umher. Zuerst erreichte sie das Wohnzimmer. Setzte sich für einige Sekunden auf das Sofa, in der Hoffnung sich dort etwas beruhigen zu können. Doch sie sprang in der nächsten Sekunde wieder auf und ging in die Küche. Sie öffnete den Kühlschrank, den sie gleich darauf wieder schloss. Jaqe war ganz verwirrt von seinem Frauchen. Was tat sie denn da? Sollte das ein neues Spiel sein? Schwanz wedelnd, legte er den Kopf schief und folgte April langsam. Der Rüde spürte, dass es seinem Frauchen gerade überhaupt nicht gut ging.

 

Chloé stieg aus dem Bett, mit der samtenen Bettdecke bedeckte sie sich: „Hat diese Göre überhaupt keine Erziehung genossen? Einfach in ein Zimmer hinein zu poltern, wie ein Elefant im Porzellanladen!“, schimpfte die braun gelockte Französin los und riss Charles damit ins hier und jetzt zurück. Charles stand während Chloé noch schimpfte auf und zog sich seinen Morgenmantel über. Langsam beruhigte sich auch Chloé wieder, jedenfalls hatte sie wieder etwas Farbe im Gesicht bekommen, allerdings in wütend. Sie war zornig! Und das sehr! „Ich glaube es nicht, sowas habe ich noch nie erlebt, hast du ihr nicht beigebracht zu klopfen?“, schimpfte sie weiter.

 

April fischte ein Glas aus dem Küchenschrank heraus und hielt es unter den Wasserhahn. Sie braucht einen Schluck kaltes Wasser! Sie setzte das Glas an, während Jaqe ihr nach getrottet kam und sich an ihre Beine drückte. Er sah nach oben und legte seinen Kopf an ihren Körper, als wollte er sie beruhigen. April spürte die sanft, aber bestimmte Berührung und sah zu ihm hinab. „Oh nein, Jaqe – was hab ich nur getan?“, sprach sie mehr zu sich selbst, als von ihm eine Antwort zu erwarten. Das kühle Nass half nicht wirklich weiter. Ein Schnapps hätte besser gepasst! Sie hörte Geräusche von oben. Schnell stellte sie das Glas ab. Strich ihrem Hund nochmals über den großen Kopf. „Tut mir leid, mein Großer!“, sagte sie und eilte in den Flur, griff nach ihrer Tasche, während sie zur Haustür hinausflüchtete. Sie wollte heute hier niemanden mehr unter die Augen treten, so sehr schämte sie sich! 



Nachdem Charles seine Sprache wieder gefunden hatte, band er seinen Morgenmantel zu: „Sie ist keine Göre!“, stellte er erstmal kurz klar! Er hatte ja Verständnis dafür, dass Chloè sehr erschrocken und auch verärgert war! Das würde sich schon wieder legen, war er sich sicher. Daher reagierte er nicht auf die Vorwürfe zu seinem Erziehungsstil. Aber auf sein Kind ließ er nichts kommen. “Ich werde mit ihr reden.” sagte er und schlüpfte in seine Pantoffeln: „Ich glaube, das war genug Schock für uns alle.“ versuchte er währenddessen seine Gedanken zu ordnen. „Hab ein bisschen Verständnis. Sie ist es nicht gewohnt, eine Frau an meiner Seite zu sehen und hat damit einfach nicht gerechnet“, verteidigte er seine Tochter. „Dann sollte sie sich jetzt aber ziemlich flott dran gewöhnen!“, schnippte die Französin weiter. “Warum kam jetzt in ihm dieser Beschützerinstinkt hoch?” dachte sie genervt. Und nahm ihren cremefarbenen bis zum Boden-reichenden Satin-Morgenmantel vom Stuhl. „Ich habe mit ihr erst am Wochenende gerechnet. Ich werde mit ihr reden“, erklärte und beschwichtigen Eagle, als er die Tür öffnete, blickte er noch einmal versöhnlich zu Chloé. Die gerade das Balkonfenster öffnete: „Ich bin gleich zurück“. Mit diesen Worten eilte er April hinterher. 

 

Charles lief zuerst in Richtung Wohnzimmer. Dabei fiel die Haustür mit einem Rumps ins Schloss. „April! Warte!“ rief er ihr nach und wollte ihr hinterher, doch Jaqe stand gerade mitten im Weg und so musste der Hausherr erst einmal am Rüden vorbei.  April warf ihre Tasche ins Auto und stieg schnell hinein. Eagle öffnete die Haustür. Ein Motor heulte auf. Eagle trat nach draußen, Jaqe folgte ihm. „APRIL! Warte!“ rief er und gestikulierte wild. Doch seine Tochter hatte ihm nicht mehr gesehen und fuhr und drückte das Gaspedal durch. Die Reifen drehten ein wenig auf dem Kies durch und die kleinen Steinchen wurden links und rechts etwas weggeschleudert, ehe sie vom Hof vor. Kurz hielt sie an der Ausfahrt, bevor sie sich in den Verkehr einfügte. Sie musste hier weg. Tränen stiegen in ihr auf.



Seufzend blickte der Charles den Wagen seiner Tochter nach. Das war ja klasse gelaufen. Genau so etwas hatte er eigentlich verhindern wollen. Sein Plan war gewesen, mit seiner Tochter in Ruhe zu sprechen. So sollte sie es nicht erfahren. Eine Weile blieb er einfach so stehen, während Jaqe sich neben ihm setzte und an seine Beine schmiegte. Ein tiefes “Wau!” riss auch Eagle wieder zurück und kraule dem Hund an seinem Kopf. 

 

Chloé, die ihn ihrem Morgenmantel auf den Balkon mit einem wunderschönen gusseisernen Geländer getreten war, von dem man direkt auf die grünbewachsene, mit weißen Kieselstein ausgelegte Einfahrt blicken konnte, zog lasziv und immer noch innerlich kochend, an ihrer dekadenten „Fume-Cigarette“. Spitz pustete sie den Rauch aus und fixierte die Szene, die sich unter ihr gerade abgespielt hatte. “Gut, dass das Gör fuhr. April ging ihr gehörig auf die Nerven. Sie musste wohl künftig härtere Geschütze auffahren.” dachte sie und ging wieder zurück in das Zimmer.

 

"Ja ist es denn die Possibility?!" 😉

 
Beitrag veröffentlicht am : 27. Mai 2024 21:52
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