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„Tausend Mal Berührt“

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April_Eagle_Wilcox
(@april_eagle_wilcox)
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Titel: „Tausend Mal berührt“

Autor: April_Eagle_Wilcox

Thema: Saber Rider and the Starsheriffs / Seijushi Bismarck

Genre: Sci-Fi / Western / Romance / Drama / 

Alterskennzeichnung: P18

Credits: Alle Charaktere, Orte und Institutionen gehören Studio Pierrot und WEP. Deutscher Lizenzhalter ist der Herausgeber war Anime House. Die Rechte liegen jetzt bei Crunchyroll.

Ich verdiene kein Geld mit dieser Fanfiction.
 
Vielen Dank @Sannyerd als Beta und Unterstützung <3
 
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Kapitel 1:


Tausend Teile



„Meine sehr verehrten Damen und Herren. Wir beginnen nun mit dem Landeanflug auf das Kavallerie-Oberkommando Hauptquartier in Yuma-City. Bitte schnallen Sie sich an, stellen Sie Ihre Sitze aufrecht und klappen Sie die Tische hoch. In Yuma City erwarten uns strahlender Sonnenschein und angenehme 24 Grad. Bitte bleiben Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit nach der Landung noch so lange angeschnallt sitzen, bis wir unsere endgültige Parkposition erreicht haben und die Anschnallzeichen über Ihnen erloschen sind. Wir bedanken uns herzlich bei Ihnen, dass Sie mit „Ramrod-Airlines“ geflogen sind und hoffen Sie bald wieder auf einem unserer Flüge begrüßen zu dürfen. Wir wünschen Ihnen noch einen wunderschönen Tag“, witzelte Fireball während er die Landung vorbereitete und die Steuerung vom Autopiloten wieder selbst übernahm.

Saber grinste nur und schüttelte den Kopf, als er in seiner Satteleinheit platz nahm, seinen Helm aufsetzte und den Sicherheitsgurt anlegte. Die ausgelassene Stimmung nach erfolgreicher Mission war aber doch auch angebracht. Sie waren mehrere Wochen auf Mission gewesen. Zwar war der Krieg nun schon fast zwei Jahre vorbei und der Outriderplanet zerstört worden, aber überall im Neuen Grenzland waren noch vereinzelt Outridergruppen unterwegs, welche nicht mit dem Planeten untergegangen waren. Und diese Schurken trieben immer mal wieder Unheil. Es wurde zwar deutlich ruhiger, aber noch konnten sich die Star Sheriffs nicht ganz zurücklehnen und mussten immer wieder „aufräumen“ und wurden zu einzelnen Einsätzen wieder zusammengetrommelt, wenn sich der Feind zum Vorschein kam und ein Renegade angriff. 

„Ja! Ich kann es kaum erwarten, wieder nach Yuma zu kommen! Gib Gummi Kumpel!“, antwortete Colt ganz ungeduldig und schnallte sich ebenfalls an. 

„Du willst nur schnell zu deiner Robin kommen…!“, kommentierte Fireball trocken, während Ramrod in die Atmosphäre von Yuma eintrat und dadurch etwas durchgeschüttelt wurde. 

„Tja will ich - dein Service hier oben lässt nämlich ganz schön zu wünschen übrig, werter Mr. Hikari. Heute gabs weder Tomatensaft noch die leckeren Erdnüsschen. Da werd ich zu Hause besser versorgt“, entgegnete der Cowboy direkt. 

„Sorry Cowboy - Du hast Holzklasse gebucht, nicht Business!“, konterte der Rennfahrer schnell. „WAS?! Ich doch nicht!“ kam es sofort protestierend aus der Satteleinheit neben ihm. „Ich bin VIP!“ stellte er schnell klar. 

Auch April musste schmunzeln, die gerade damit beschäftigt war, Fireball den richtigen Korridor zu berechnen und in sein Modul zu übertragen. Aber dennoch ging ihr das Geplänkel ihrer Kollegen ins Ohr. Sie war ganz froh darüber, dass es während der Arbeit so weit funktionierte und sie nicht groß Zeit hatte, an Privates zu denken, denn das war aktuell alles andere als leicht. 

Nachts, wenn sie alle zur Ruhe kamen, war es da schon anders. Wie dankbar war der weibliche Star Sheriff, da ein Einzelzimmer zu haben. 

Vor etwa 8 Monaten hatten sich April und Fireball getrennt. Eher unschön - und das hing beiden auch noch nach. 

Seit sie wieder einberufen wurden, versuchten beide professionell ihrer Arbeit nachzugehen, aber das war nicht immer leicht. Vor allem die ersten Wochen waren verdammt hart gewesen. Auch für Colt und Saber nicht immer.

Aber sie mussten im Einsatz funktionieren! Es ging hier um Leben und Tod. Für sich selbst, für das Team und für die Einwohner im Neuen Grenzland, die sich auf sie verließen. 

Eigentlich hatte April gehofft, ihren Ex nicht mehr so schnell wiedersehen zu müssen. Es hatte gereicht, dass er ihr immer mal wieder in den Medien begegnet war, da der Pilot zurück zum Rennzirkus gegangen war und die junge Wissenschaftlerin ihre eigene Karriere etwas auf Eis gelegt hatte, um ihren Freund dabei zu unterstützen. Daher hatte sie der erneute Einberufungsbefehl hart getroffen. Wie sollte es nur funktionieren, ihm wieder gegenüber zu stehen und dann auch noch Hand in Hand arbeiten zu müssen? Sie wusste es nicht. 

Aber da sie alle einen Schwur abgelegt hatten, das Neue Grenzland zu verteidigen und somit auch Colt und Fireball zu den Reservisten zählten, die im Notfall einrücken mussten, trafen sie schneller aufeinander als ihnen beiden lieb war. 

Aber nun kam Yuma immer näher und aktuell waren Ihnen keine weiteren Outrider-Sichtungen gemeldet worden. Commander Eagle hatte den Befehl gegeben, dass sie auf direktem Weg zum Oberkommando kommen sollten. Hoffentlich wurden sie wieder freigestellt, wenn auch nur für eine gewisse Zeit. April war der eigentlich doch so große Ramrod, diesmal gefühlt sehr viel kleiner vorgekommen und sie war froh, hier bald rauszukommen. Vermutlich ging es Fireball da nicht anders. 

Endlich - sie landeten. Fireball setzte den Friedenswächter sanft auf und steuerte ihn dann in Richtung seiner Parkposition. „Feierabend Leute!“ streckte sich Colt und gähnte lauthals.

„Nicht ganz mein Freund. Wir sollen noch zu Eagle!“, erklärte Saber, während sich auch Fireball und April aus ihren Sitzen erhoben. 

„Oh ha - hat man hier nicht mal Zeit zum Duschen und Umziehen?!“, grummelte Fireball etwas vor sich hin.

„Daddy wird schon einen Grund haben - vielleicht ist es etwas Wichtiges“, erwiderte April direkt, als sich ihre Blicke trafen. Sofort wandte die junge Französin den Kopf, um den Rennfahrer nicht weiter ansehen zu müssen. „Ist ja schon gut!“, motzte dieser und tat es ihr gleich.

Saber seufzte nur und sah zu seinem Scharfschützen, der ebenfalls überfordert war und nur mit den Schultern zuckte. Auch er stand zwischen den Stühlen.

Der Schotte war froh, dass die Beiden sich die letzten Wochen wirklich am Riemen gerissen und die Mission und das Team nicht in Gefahr gebracht hatten. Das musste er wirklich anerkennen. Aber die Stimmung war deutlich anders als früher und es lag fast permanent eine Spannung in der Luft. Das war genau das, was er immer befürchtet hatte, als sich zwischen seinem Piloten und seiner Navigatorin Gefühle entwickelten. Ihm wurde wieder bewusst, warum es nicht gern gesehen war, wenn innerhalb eines Teams eine Beziehung entstand.

Auch er würde drei Kreuze machen, wenn dieser Tag geschafft war und er zu seiner Verlobten Sincia konnte. Aber auch hier stand noch Arbeit an. Die Hochzeit der beiden stand in zwei Monaten an und es musste noch einiges fertig organisiert und geplant werden. 

Saber versuchte die Situation zu nutzen. „Komm schon Fire - je schneller wir bei Eagle waren, um so schneller gibt's Feierabend und die ersehnte Dusche!“, klopfte er dem Japaner auf die Schulter und zog ihn sanft mit sich. „Ja, du hast ja Recht, Boss!", musste dieser zugestehen und ging mit seinem Anführer in Richtung Rampe. Colt und April folgten den Beiden. 

Auf dem Weg über den Flugplatz ins Hauptgebäude und Richtung der Aufzüge lockerte sich die Stimmung der Vier doch etwas. „Robin hat mir vorgestern noch geschrieben, dass ihr Brautjungfernkleid angekommen ist. Du wirst stauen Cowboy“, lächelte April Colt vielsagend an. „Was! Dir hat sie es gezeigt und mir nicht?!“, schob er die Unterlippe etwas vor. „Wir waren doch zusammen shoppen!“, erinnerte sie ihren Kollegen, dem es dann auch wieder einfiel. „Ja, ich wurde verschont!“. Er war immer noch erleichtert. Da war es mit einem Männeranzug schon einfacher. Aber dafür schmückten die hübschen Ladies, auch jedes Fest musste er gestehen.

„Ich hab gestern ein paar Mal versucht sie zu erreichen - scheinbar schwer beschäftigt mein Weibi“, erzählte der Scharfschütze. „Vielleicht düse ich nachher gleich los und überrasche sie zum Frühstück. Die wird Augen machen“, sprach er seinen Plan euphorisch aus und malte sich bereits ihr verblüfftes Gesicht aus, während sie aus dem Fahrstuhl stiegen und auf das Büro ihres Vorgesetzten zusteuerten. „Oh, da wird sie sich bestimmt freuen“, nickte April ihrem Kollegen zu und freute sich schon für ihre Freundin. „Bestell ihr liebe Grüße - der Beauty-Termin steht!", fügte sie hinzu, als sie ankamen.

Saber klopfte kurz, bis die Sekretärin sie ins Vorzimmer bat. 

„Einen wunderschönen Nachmittag verehrte Miss Miller“, trällerte der Cowboy. „Oh, Sie waren beim Friseur - chic Miss Miller und das Kleid ist doch auch neu!", ließ Colt mal wieder seinen Charme spielen und grinste über den Schreibtisch. Er hatte einfach gute Laune. 

Etwas verlegen lächelte die Chefsekretärin dem vorlauten Scharfschützen des Ramrod-Teams an. Eigentlich war ihr gerade gar nicht zum Lächeln, denn im Gegensatz zum Team hatte sie bereits die Nachricht mitbekommen. Daher fiel es ihr gerade doppelt schwer. 

„Na, na! Lass das nicht deine Freundin hören, Colt! "Bei ihr fällt dir sowas ja nie auf!“, flachste Fireball grinsend. „Die zieht dir die Ohren von hier bis nach Tranquility!“ 

„Ach meine Robin sieht immer toll aus. Die hat den Friseur doch gar nicht nötig!“, klärte Colt seinen Kameraden auf, der ihn nur weiter an grinste. Dann wandte sich Fireball zu Miss Miller: „Aber Recht hat er - steht Ihnen wirklich gut!“, versuchte er die Situation zu retten, während die Angesprochene sich bei den Männer für die Komplimente leicht verlegen bedankte. 

„Das mit der Freundin hat dich doch auch nicht gestört“, konnte April sich den Kommentar in Richtung ihres Ex nicht verkneifen, woraufhin Fireball getroffen den Kopf etwas einzog. Das hatte gesessen und er konnte es ihr eigentlich auch nicht verübeln.

„Es ist gut jetzt Leute!“, mahnte Saber sein Team, bevor es hier weiter ausartete. Ihm war der doch ernste Blick von Miss Miller nicht entgangen und das gefiel ihm gerade überhaupt nicht. Irgendwas war anders als sonst. Angespannt.

Dankbar, dass Saber die Zügel in die Hand nahm, nickte sie ihm zu. „Gehen Sie gleich durch. Der Commander erwartet Sie bereits“, informierte sie das Ramrod Team und sah den Vieren nach, bis sie im Büro verschwunden waren. Gleich würde die Unbeschwertheit vorbei sein.

Sie wollte nicht mit dem Commander tauschen müssen. 

„Daddy!“, begrüßte April ihren Vater in ihrer typischen Art und umarmte ihn. Der Commander erwiderte die Geste und doch war sie heute ein klein bisschen anders als sonst. Auch April spürte das und drückte ihn ein wenig fester. 

Saber beobachtete die Szenerie und vor allem das Gesicht seines Vorgesetzten. Auch hier las er Anspannung. Warum wusste er nicht, aber er bekam ein beklemmendes Gefühl. 

„Ich bin froh, dass ihr alle wieder wohlbehalten zurück seid“, sprach er zu seinem Team. „Nehmt bitte Platz", sprach er recht reserviert. Innerlich versuchte er gerade, seine Gedanken zu sortieren, während er sich zu ihnen setzte. Es war nicht das erste Mal, dass er so eine Botschaft überbringen musste. Aber diesmal war es auch für ihn näher, persönlicher. Nach all der Zeit waren auch die männlichen Mitglieder des Teams ihm sehr ans Herz gewachsen und er hatte eine besondere, fast väterliche Verbindung zu ihnen. Daher fiel es ihm heute besonders schwer. Er hatte bereits in den letzten Stunden mehrfach versucht, sich die passenden Worte zurechtzulegen. Aber gab es diese in so einer schrecklichen Situation überhaupt? Der Commander hatte lange überlegt, ob es besser wäre, ihnen zusammen die Nachricht zu überbringen oder der betroffenen Person einzeln. Letztendlich hatte er sich für das Team entschieden. Zusammen waren sie stark und hatten bisher jede Krise gemeistert. Sie gaben einander Halt und Kraft. Und das war das, was sie jetzt brauchen. Für alle Fälle hat er aber auch den Psychologischen Dienst informiert. Sie standen auf Abruf bereit.

Er blickte von einem Star Sheriff zum anderen, bis sein Blick schließlich auf Colt ruhte. Der Commander schluckte noch einmal und holte Luft. „Ich habe Euch zu mir gebeten, weil ich Euch etwas mitteilen muss“, begann er mit sanfter, aber doch leicht belegter Stimme. 

Irgendetwas war in seiner Stimme, so dass alle Vier sofort begriffen, dass es ernst war und sahen den Franzosen wortlos an. 

„Wie ihr selbst am besten wisst, sind leider überall im Neuen Grenzland noch vereinzelt Outridergruppen vertreten, die ihr Unheil anrichten“, begann Commander Eagle sachlich.

„Wir versuchen bei jedem Notruf sofort Hilfe zu entsenden“, fuhr er weiter fort. „Aber leider gelingt es uns hierbei nicht immer rechtzeitig vor Ort zu sein“. Er machte eine Pause und überdachte seine nächsten Worte exakt. Sein Blick traf den von Colt und sah ihm direkt in die Augen. Er zog die Augenbrauen hoch und sah den Commander fragend an, während dieser kurz schwieg und durchatmete.

Colt fühlte sofort einen kalten Schauer, der ihn erfasste und quälend langsam von unten her über seinen Rücken lief. Er war nicht umsonst einer der besten Scouts, wenn ihn hier seine Antennen im Stich lassen würden. 

April hatte ihren Vater selten so ernst gesehen und auch in ihr zog sich gerade alles innerlich zusammen. Ihr war der direkte Blick ihres Vaters zu Colt nicht entgangen. Fireball und Saber erging es ähnlich. Keiner wagte ein Wort zu sagen.

„Wir haben einen Notruf aus Tranquility erhalten, Colt", richtete nun Commander Eagle sein Wort direkt an den Texaner. Dessen schlimmster Albtraum wurde wahr. Ein Ruck ging durch den Cowboy und seine Freunde: „Wir müssen sofort hin!“ sprang er abrupt auf, als ihn sein Kommandant wieder bat, sich hinzusetzen. Er musste ihm noch mehr beibringen. 

„Mehrere Einheiten aus Yuma, aber auch näher gelegenen Stützpunkte sind sofort aufgebrochen. Aber…“ Er machte nochmals eine kurze Pause „…. es tut mir aufrichtig leid Colt. Aber wir konnten Robin nur noch tot bergen…" Mit diesen Worten senkte er den Blick. Allen vieren stockte der Atem.

„Nein!…“, war alles, was Colt über die Lippen brachte. Er musste sich gerade verhört haben. Das war doch alles nur ein schlechter Witz. April, die neben dem Cowboy saß, legte reflexartig ihre Hand auf die seine und drückte sie leicht, während ihr die Tränen in die Augen schossen. Deshalb hatte Colt sie nicht erreichen können. Wie versteinert saß der Amerikaner da und rührte sich nicht. Die Welt blieb in diesem Moment stehen und es zog ihm regelrecht den Boden unter den Füßen weg.  

Saber: „Ist diese Information sicher Commander?“ versuchte Saber irgendwie einen klaren Gedanken zu fassen und hoffte, dass diese Mitteilung falsch oder verfrüht gewesen war. 

„Leider ja Saber. Sie ist überprüft und bestätigt“, sprach der Vorgesetzte traurig. 

Plötzlich sprang Colt auf und stürmte in Richtung Tür „Wir müssen sofort hin!“

„COLT!“ kam es von den übrigen Vier wie im Chor.

Fireball eilte seinem Kumpel hinterher und holte ihn ein: „Warte Kumpel!“ griff er nach ihm, wobei sich Colt sofort versuchte, dem Griff zu entziehen.

„Ich warte nicht! Dann flieg ich halt allein!“ kam etwas barsch und fast enttäuscht von ihm. Warum verstand er nicht, dass er keine Zeit verlieren durfte. Mit Sicherheit hatte man Robin nur verwechselt. 

„Nein, so meine ich das nicht - lass uns alles hören, was der Commander zu sagen hat. Dann brechen wir auf!“ Auch Saber war Fireball zur Seite geeilt und so schoben sie Colt sanft aber bestimmt zurück auf seinen Sitzplatz, wobei sich Fireball neben seinen Freund setzte und seine Hand auf seiner Schulter ruhte.

„Commander?“, richtete Saber sein Wort an den Vorgesetzten, der die Reaktionen des Scharfschützen nur zu gut verstehen konnte. Er erinnerte sich kurz daran, wie es ihm selbst ergangen war, als er über den Tod seiner Frau damals informiert worden war. In diesem Moment kann man nichts glauben, wahrhaben oder verstehen. Er wollte Colt zumindest das berichten, was er wusste.

„Die Schule wurde angegriffen“, begann dieser weiterzuerzählen. „Soweit man mir berichtete, hatten sich Robin und einige Dorfbewohner mit den Kindern darin verbarrikadiert. Leider konnten unsere Feinde eindringen. Der Texaner saß völlig regungslos da und die Worte des Commanders drangen wie aus weiter Entfernung in sein Ohr.  „Colt, …. Robin… Sie hat die Kinder gerettet. Sie ist eine wahre Heldin. Sie hat sich als Schutzschild vor die Schüler gestellt …“. 

Saber und Fireball lauschten den Worten des Commanders mit Entsetzen.

April schlug sich die Hand vor den Mund, um das Aufschluchzen zu ersticken. Sie war vollkommen ergriffen, vom Tod der Verlobten des Cowboys und inzwischen eine  enge Freundin geworden war. 

Colt ballte seine Fäuste und diese zitterten vor Anspannung und Wut. Er schwor sich gerade, wenn es wirklich seine Robin war - er würde sie rächen. Er würde die Outrider mit bloßen Händen den Garaus machen. Erst nahmen ihn diese elendigen Bastarde seine Eltern und nun noch die Frau, die er liebte. Er würde sie jagen und jeden Einzelnen von ihnen zur Strecke bringen! Er malte mit dem Kiefer, während die Wut immer mehr wurde.

Er sah sie vor seinem inneren Auge. Diese wunderschöne Frau, ihre glänzenden blauen Augen, das seidige blonde Haar, die Lippen, die er nie wieder küssen können würde. Er würde ihr Lächeln nie wieder sehen, ihren Duft nie wieder einsaugen und sie nie wieder in seinen Armen halten dürfen. Es war so grausam. 

„Was ist mit Josh!?“ entfuhr es Colt plötzlich.

„Mein Gott, ja der Junge!“ kam es auch sofort von April und sah fast schon flehend nach positiver Nachricht zu ihrem Vater. 

„Joshua ist in Sicherheit“, beantwortete der Commander und vernahm, wie alle vier erleichtert ausatmeten. „Er liegt im Krankenhaus in der nächstgrößeren Stadt New Sacramento. Er hat „nur“ einen Streifschuss und leichte Schrammen davon getragen, wie die Ärzte sagen“, informierte er das Ramrod-Team. „Er ist außer Lebensgefahr!“

„Ich muss sofort zu ihm“, entgegnete Colt.

„Selbstverständlich Colt, du hast meine vollste Unterstützung“, sprach der Commander väterlich. „Und der Junge auch “. 

„Ramrod wird in diesen Minuten aufgetankt und neu beladen. Ihr könnt in einer Stunde starten“. Eagle hatte sich natürlich gedacht, dass Colt sofort nach Tranquility wollte und nicht aufzuhalten war. Er wollte Colt zwar auch das Angebot eines Seelsorgers machen, aber er kannte den Texaner inzwischen so gut, dass dieser keine Ruhe hätte, wenn er nicht zuerst vor Ort gewesen war. Das Angebot blieb bestehen, wenn er wieder zurück war. Daher hatte er im Vorfeld alles in die Wege geleitet, damit ein schneller Start von Ramrod möglich war. Die Ärzte im Krankenhaus hatte er ebenfalls informieren lassen. 

„Danke Sir!“, nickte der Scharfschütze dankbar und erhob sich erneut. Diesmal taten es ihm seine Kameraden gleich. „Mein aufrichtiges Beileid mein Junge“, hielt der Commander Colt die Hand entgegen, die er annahm und eine kleine Weile hielt, ehe er sich schweigend umdrehte, in Richtung Tür ging.

Saber und Fireball verabschiedeten sich vom Vorgesetzten und schlossen zum Cowboy auf. 

„Auf Wiedersehen Daddy“, verabschiedete sich April von ihrem Vater, der sie kurz zu sich zog und ihr einen Kuss auf die Stirn gab, ehe er sie ansah und ihr mit dem Daumen vorsichtig eine der Tränen aus dem Gesicht wischte In solchen Momenten wurde einem bewusst, wie schnell man eine geliebte Person verlieren konnte. „Passt auf Euch auf“. April nickte und drückte ihren Vater nochmals, ehe sie sich aus der Umarmung löste und ihren Kollegen hinterher eilte.

Weder Saber, Fireball noch April wussten gerade was sie sagen sollten. Jedes Wort schien nicht das Richtige zu sein. Sie waren selbst geschockt und sprachlos. Da auch Colt keinen Laut von sich gab, war sowohl die restliche Zeit auf Yuma, noch der Start wortlos verlaufen.

Eine Schwere lag in der Luft, den die Vier noch nie erlebt hatten. Jeder war überfordert. 

Immer wieder blickten die 3 übrigen Star Sheriffs zu Colt. Jeder machte sich Sorgen. Sie wollten für ihn da sein, aber wie? Wie ging man mit so einem Todesfall um? Wie mit dem besten Freund, der gerade das Wichtigste im Leben verloren hat und es selbst noch nicht verstand? Dazu die Gedanken auch an den kleinen Josh. Das Kind war sowieso schon Vollwaise. Nun hatte er die einzige Familie verloren, die er noch hatte. Seine Bezugsperson. Es war so grausam.

Alles was Fireball tun konnte war: Gas geben. Und das tat er auch. Er holte aus Ramrod heraus, was möglich war. Saber versuchte die Informationen und Daten, die ihnen eingespielt wurden, zu durchforsten und einzuordnen. 

Vielleicht mussten sie auch damit rechnen, dass vielleicht einige der Outrider noch in der Gegend waren. Sie durften auf keinen Fall jetzt in der Trauer leichtsinnig sein.

April hatte den schnellsten Weg berechnet und Fireball in die Konsole übertragen. Aber sie fühlte sich sonst so hilflos und wie gelähmt. Auch sie blickte immer wieder über ihre linke Schulter hinweg zu Colt. Dieser regte sich seit dem Start kein Stück. Starr blickte er nach draußen ins dunkle All. Die Kiefer waren fest aufeinander gepresst und seine Fäuste geballt auf den Oberschenkeln. Er war tief in seinen Gedanken und überhaupt nicht wirklich anwesend.

Verdammt, warum waren sie nicht einen Tag eher zurück gekommen?! 

Eine Stunde um die andere verging. Wenn auch zäh wie Gummi. April hatte in der Zwischenzeit schnell ein paar Sandwiches gemacht, aber Colt erhob sich nicht aus seiner Satteleinheit, als sie die Jungs zum Essen rief. Er hatte keinen Hunger und starrte einfach nur so vor sich hin.

Langsam machten sie sich Sorgen, während die drei in der Küche einen kleinen Happen aßen. Viel Hunger hatte keiner, aber sie mussten ja etwas essen, um konzentriert arbeiten zu können. Und das galt auch für den Cowboy. 

„Ich hol ihn jetzt!“, sprach Saber schließlich und war im Begriff aufzustehen. „Lass mal Sabre!", fiel im April ins Wort. „Ich bring ihm einen Teller. Vielleicht möchte er lieber etwas alleine sein“.

„Hmmm, vielleicht hast du recht - ich fühl mich nur so…..“ Saber suchte nach den richtigen Worten.

„Hilflos..?“ fragte der weibliche Star Sheriff nach. „Ja…. Genau…“ antwortete er ihr nickend und überlegte, während April ein Tablett hervor zog, Teller und Besteck auflegte und den Teller füllte. Dazu noch ein Glas Guavensaft. „Mir gehts genauso“.

„Wir können nur für ihn da sein“, sprach Saber schließlich weiter und Fireball nickte zustimmend:„Ich glaube, er muss es erst selbst sehen“.

„Ja, das fürchte ich auch - ich kann es ja selbst noch nicht begreifen. Er wird erst später zusammenbrechen. Und dann müssen wir für ihn da sein“. 

„Selbstverständlich“, kam es im Chor von April und Fireball, die überrascht waren, dass sie sich seit langem mal wieder einig waren und sahen sich gegenseitig an.

Nach ein paar Sekunden unterbrach April den Blickkontakt und erhob sich mit dem Tablett. „Vielleicht nimmt er was an“, sprach sie ihre Gedanken aus und ließ die Jungs allein.

Wie still es auf der Brücke war. Mal ein vereinzeltes leises Signal von Ramrod, neben dem monotonen Fluggeräusch. Aber sonst war es still. Dazu war das Licht gedimmt und nur die Beleuchtung der Konsolen und Tastatur war an. 

April kam der Satteleinheit des Scharfschützen näher und versuchte erst zu erspähen, ob er wach war oder vielleicht eingeschlafen. Nein, er war wach und saß noch in der gleichen Haltung, wie vor 40 Minuten. 

Kurz bevor sie ankam, ertönte plötzlich: „Danke April, aber ich hab keinen Hunger…“

Trotz der Ausnahmesituation waren Colts Sinne scharf wie immer und er hatte sie erkannt, bevor er sie hatte sehen können.

„Du erstaunst mich immer wieder Cowboy“, kam sie aus dem toten Winkel und neben Colt zum stehen und lächelte ihn schwach an. „Was hat mich verraten?“

Colt drehte den Kopf und sah seine Kollegin an. Sein Lächeln missglückte ihm verständlicherweise gerade und auch sein Blick wirkte leer und gebrochen. Allerdings antwortete er ihr: „Ich höre es an deinem Gang, die Art, wie du dich bewegst“, erklärte er ihr, „und manchmal am Duft“. 

April antwortete mit einem verstehenden Nicken und platzierte das Tablett neben die Statteleinheit und setzte sich daneben. 

Colt blickte wieder zurück ins All und April tat es ihm gleich. Eine Weile saßen sie einfach nur schweigend nebeneinander und beobachteten die Sternformationen vor sich. Worte fielen April nicht wirklich ein. Aber vielleicht tat es dem Cowboy auch einfach nur gut, dass er nicht allein war. 

Irgendwann bewegte sich unerwartet seine Hand und er streckte sie wortlos in Richtung Tablett aus.

Erleichtert, dass er doch etwas tat, um bei Kräften zu bleiben, hob sie den Teller an und reichte ihn Colt hinüber, der sich ein Sandwich schnappte und eher lustlos als mit Appetit hineinbiss.hinein biss. Auch wenn er keinen Hunger hatte, tat es doch seinem Körper gut. Schweigend reichte die junge Frau ihm sein Lieblingsgetränk, welches er auch annahm. 

So verging eine weitere halbe Stunde in Stille.

“Wie lange noch?“, durchschnitt Colt mit der Frage das Schweigen. April reckte den Kopf und schielte etwas in Fireballs Konsole. „Knapp 2 ½ Stunden noch“, erhielt er zur Antwort und nickte. „Leg dich doch noch etwas hin, hm? Wir holen dich, wenn wir zur Landung ansetzen“, schlug sie ihm vor. 

Erst hatte er den Impuls verspürt, zu widersprechen, doch dann sehnte er sich auch nach einem Moment der Stille für sich allein. Er erhob sich. "Danke, April... auch dafür, dass du geschwiegen hast...", sagte er, während er mit seinem Guavensaft von der Brücke ging. Sie beobachtete ihn schweigend, während er davonschritt.

Colt steuerte direkt das Gemeinschaftszimmer an, streifte sich die Stiefel von den Füßen und ließ sich schwer auf seine Matratze fallen. Für eine Weile lag er einfach regungslos da, bis plötzlich mehrere Pieptöne sein Ohr erreichten. Er richtete sich abrupt auf und lauschte.  Hastig griff er nach seinem Com und entriegelte den Bildschirm.

 »Robin!«, rief er aus.  Verschiedene Anrufe und Nachrichten wurden angezeigt. Sein Herz begann wild zu pochen, während ihm gleichzeitig heiß und kalt wurde.

Er öffnete die Nachrichten, obwohl er anfangs noch gehofft hatte, dass sie aktuell waren, wurde ihm schnell klar, dass sie von vorgestern und gestern stammten. Ein Zittern durchlief ihn.

Mit fahrigen Fingern scrollte er durch die Nachrichten, während sie ihm die Kehle immer mehr zuschnürten.  Robin und Josh hatten ihn verzweifelt versucht zu erreichen. Mit jeder weiteren Nachricht  spürte und vor allem hörte er die immer größer werdende Angst und Verzweiflung seiner Liebsten. Die Panik in ihren Stimmen, die nach ihm riefen, zerrissen ihm sein Herz. Er versuchte einzuatmen, doch es wollte nicht gelingen. Heiße Tränen stiegen in ihm auf. Seine Gedanken waren nur fetzen, sein Atmen sackte immer wieder ab. Sie hatten ihm vertraut, auf Hilfe gehofft und er hatte sie nicht beschützt, Schuldgefühle stiegen auf. 

Die Verzweiflung, Wut und Trauer mischten sich in seinem Inneren zu einem bitteren Cocktail der Hilflosigkeit. Was sollte er jetzt noch tun, er konnte nichts mehr tun! Streng fuhr er sich durch seine mittlerweile verschwitzten Locken. Er wollte schreien, doch nichts kam aus seiner Kehle, sein Hals und Brustraum waren zu eng, dass alle Kraft dazu fehlte.

„COLT WO BIST DU?!“, wiederholte sich die angstvolle, verzweifelte, unter Tränen aufgelöste Nachricht von Joshua.  Colts tränen verklärter Blick fiel auf die Absendezeit und er spielte die letzte nachricht des Jungen ab:

„ROBIN IST TOT! DU HAST VERSPROCHEN UNS ZU BESCHÜTZEN!“. In diesem Moment schmiss er wutentbrannt das Comgerät gegen die nächste Wand, wo es zerbrach. Schwer atmend betrachtete er die Einzelteile seines Kommunikators, sein Atmen ging schwer, kalter Schweiß lief ihm über sein Gesicht, der sich mit seinen Tränen mischte. “Warum?” brach er zusammen und ließ seinen Tränen freien Lauf, ihm war es egal, ob die anderen ihn hören konnten, sein Herz würde platzen, wenn er es jetzt nicht abließ, sein Atmen brannte wie Feuer. Die Schuldgefühle fraßen ihn auf. 

Fireball lehnte neben der Tür des Gemeinschaftszimmers und hörte seinen besten Freund, der gerade seiner Trauer freien Lauf ließ und so wie es sich anhörte auch kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand. Doch er ließ seinem bestem Freund diese Zeit.

"Ja ist es denn die Possibility?!" 😉

 
Beitrag veröffentlicht am : 6. Mai 2024 1:32
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