Saber Rider and the Star Sheriffs

Entstehung

„Saber Rider and the Star Sheriffs“ (SRatSS) ist eine Zeichentrickserie aus den USA. Sie ist keine eigenständig entwickelte Serie, sondern findet ihren Ursprung in der japanischen Originalfassung „Sei Jushi Bismarck“ (SJB). SRatSS ist sozusagen eine „Weiterentwicklung“ oder „Überarbeitung“ von SJB nach amerikanischer Vorstellung.

In den 1980er Jahren lagen Zeichentrickserien mit Wildwesteinfluss im Trend. Neben SRatSS buhlten noch BraveStarr (1987) und die Galaxy Rangers (1986) um die Gunst der jungen Zuschauer. Zugleich entsprachen auch Serien mit transformierbaren Robotern dem damaligen Zeitgeist, ein populärer Vertreter ist die amerikanisch-japanische Serie Transformers (1984), welche bis in die heutige Zeit erfolgreiche Kinofilme nach sich zieht. In Sei Jushi Bismarck sah man eine geeignete Serie, die man relativ einfach in eine Space-Western-Serie umbauen konnte, immerhin musste man sie nicht komplett neu entwickeln. Die japanische Vorlage hatte von Vorneherein eine leichte Wildwestprägung und noch dazu einen Cowboy als einen der vier Hauptcharaktere vorzuweisen. Auch der verwandelbare Riesenroboter stellt im Prinzip nichts anderes als ein überdimensionaler Cowboy dar.

Die Firma hinter SRatSS ist World Events Productions (WEP, firmiert heute unter WEP LLC) und wurde 1980 gegründet. Das in St. Louis (Missouri/USA) beheimatete Unternehmen gehört dem Firmenverbund Koplar Communications an und produzierte auch die Zeichentrickserien „Denver, der letzte Dinosaurier“ (1988), „Vytor“ (1989), und „Voltron“ (1984), welches den größten Erfolg einbrachte und man bis 2011 weitere Serien davon entstehen ließ.

WEP erwarb die Lizenz von Studio Pierrot (Tokio) ca. 1986, um aus SJB die neue Serie SRatSS erschaffen zu dürfen. Für Studio Pierrot mag das ein lukratives Geschäft gewesen sein, da die eher erfolglose Serie SJB auf diesem Wege nochmal etwas Umsatz nach ihrer aktiven Zeit einbrachte.

Für die neue Serie hat WEP einige wichtige Änderungen vorgenommen: Einigen Figuren hat man mehr Fähigkeiten zugesprochen oder andere Charakterzüge und Positionen zugewiesen. So ist zum Beispiel April eine Karate-Kampfsportlerin und hat Ramrod mitentwickelt, Saber Rider ist der Anführer der Truppe und nicht mehr Fireball, und Jesse Blue hat man eine menschliche Vergangenheit verpasst. Auch die Story an sich hat man verändert, indem man zum Beispiel die außerirdischen Feinde (die „Outrider“) nicht sterben ließ: Sie wurden einfach in die neu erschaffene „Phantomzone“ zurückmaterialisiert.

Beim Bildmaterial erfolgten auch einige Anpassungen an die neue Serie. Mehrheitlich wurden vorhandene Animationen/Szenen für SRatSS übernommen und einige wenige Szenen hat man neu zeichnen lassen. Hauptsächlich wurden jedoch bestehende Sequenzen aus anderen Episoden (z.B. Cockpitszenen in Ramrod) verwendet, um zusätzliche oder erweiterte Dialoge unterzubringen und so der geänderten Storyline Rechnung zu tragen. Der Unterschied zu SJB ist schon im SRatSS-Vorspann zu sehen. Er weicht teilweise erheblich vom SJB-Intro ab, da reguläre Szenen aus anderen Folgen eingearbeitet wurden. Im japanischen Vorspann sind dagegen fast ausschließlich eigens dafür produzierte Animationen zu sehen.

Die Transformationssequenz von Ramrod, eine der kultigsten Szenen überhaupt, hat man aus verschiedenen Episoden aus dem Original zusammengebaut, da es im Original viele unterschiedliche Transformationssequenzen gibt, die unterschiedlich lang und ausführlich ausfallen.

Brutale und gewaltverherrlichende Szenen in SJB wurden oft ersatzlos gestrichen. Andere, für Kinder bedenkliche Szenen, wie etwa schlechtes Verhalten der Charaktere, wurden auf verbale Art entschärft: Echte Schusswaffen in Kinderhänden wurden zu „Spielzeugpistolen“. Wenn eine Entschärfung auf verbaler Art nicht möglich war, wurden die Szenen entfernt. Die Minimierung von Gewalt in einer Kinderserie war aus wirtschaftlicher Sicht absolut notwendig, sonst wäre SRatSS von den TV-Sendern nicht gekauft worden.

Um die fehlenden Szenen zeitlich zu kompensieren, hat man neue Szenen gezeichnet, die dann aber auch oftmals nicht genau an diesen Stellen wieder eingesetzt wurden. Diese „Füllszenen“ zeigen z.B. General Whitehawks Missionsübergabe an die Star Sheriffs („Jesse Blues neue Freundin“), oder es wurden Szenen aus anderen Episoden, oft Dialogszenen mit den Star Sheriffs, hinzugeschnitten. Bei Dialogszenen mit den Star Sheriffs mag das nicht weiter auffallen, aber es wurden auch Szenen eingefügt, die nichts mit der Episode zu tun hatten (Beispiel: Gattlers Anhörung vor Nemesis in „Der kleine Freund“, obwohl Gattler gar nicht in Mission war).

Fünf Folgen passten sogar überhaupt nicht ins Konzept von WEP. Man hat sie weggelassen, weil man der Ansicht war, dass sie nicht die besten Episoden für das amerikanische Publikum waren. Die fünf unberücksichtigten Folgen wurden später von Anime House als „Lost Episodes“ mit deutscher Synchronisation veröffentlicht.

Die meisten Ur-Folgen von SJB funktionierten nicht mehr für eine neue, kinderfreundlichere Erzählung von SRatSS. Daher hat man ein neues Storyboard geschrieben, für das Marc Handler verantwortlich zeichnete. Er war Executive Story Editor und sozusagen der geistige Vater von SRatSS und wichtiger Kopf im Entwicklerteam. Auch die veränderten Hintergründe einzelner Figuren tragen seine Handschrift.

Cel-Vorstufe zu einer Szene aus der WEP-Folge „Jesses Rache“ mit japanischer Anmerkung

Wegen der geänderten Story wurden von WEP sechs neue Folgen erschaffen. Man hat diese vom Originalstudio Pierrot nachproduzieren lassen. Die Idee war, damit den Geist des „Neuen Grenzlandes“, den Wildwestflair einzubringen. Die Zuschauer sollten in diese neue Welt von Saber Rider eingeführt werden. Man wollte bewusst vom üblichen Format der japanischen Folgen abweichen, indem man keine Kämpfe gegen Renegades zeigte und sich stattdessen mehr auf die Handlungen der Charaktere konzentrierte. Optisch sollten sich die neuen Folgen nahtlos in die Originalfolgen einfügen, was jedoch nicht gelang. Nach der Produktionszeit von SJB kam es zu Änderungen bei den leitenden Positionen von Studio Pierrot und wohl auch bei den beschäftigten Zeichnern, was sich auf die nachproduzierten Episoden auswirkte.

Besetzung

Die Sprecher und ihre Rollen

SprecherRolle
Rob PaulsenSaber Rider, Jesse Blue
Pat FraleyFireball
Townsend ColemanColt
Pat MusickApril
Peter CullenErzähler, Nemesis, Ramrod, General Whitehawk

Die japanischen Folgen ohne Weiterverwertung für SRatSS

Episodemöglicher Grund
japanisch20: „Ein gefährlicher Besucher“
(deutschLE1: „Täuschungen“)
Shinji (Fireball) rächt sich mit brutaler Gewalt an einem Deathcula-Kommandanten, der eine Bekannte umgebracht hat.
japanisch23: „Captain Holiday“
(deutschLE2: „Käpt’n Holiday“)
Das Bismarck-Team trifft auf den immer betrunkenen Captain Holiday.
japanisch30: „Für den Frieden kämpfen“
(deutschLE3: „Eine Stadt als Geisel“)
Ein Bürgermeister, der sich den brutal vorgehenden Deathculas immer unterordnet und sich mitschuldig macht, wird letztlich doch noch von ihnen getötet.
japanisch36: „Die Juno-Evakuierungsaktion“
(deutschLE4: „Rettung wider Willen“)
Der junge Protagonist mit schwarzer Hautfarbe lässt sich vom weißen Bismarck-Mitglied Bill Wilcox vorschreiben, wie er zu handeln hat.
japanisch42: „Riesige Festung direkt voraus!“
(deutschLE5: „Alles oder nichts“)
Captain Holiday; bedenkliche Szenen wie Gewalt gegen Kinder und treibende Leichen im Weltall.

Die von WEP nachproduzierten Episoden

EpisodeGrund
USA02: Cavalry Command
(deutsch26: Das Kavallerie-Oberkommando)
Einführung des Kavallerie-Oberkommandos und von Jesse Blue
USA03: Jesse’s Revenge
(deutsch27: Jesses Rache)
Einführung von Jesse Blue, Hintergrund für sein weiteres Handeln
USA13: The Highlanders
(deutsch20: Die Highlander)
Vanquo als Gegenspieler der Star Sheriffs / Einführung in Sabers Heimat
USA17: The Saber and the Tomahawk
(deutsch13: Blutsbrüder)
Vanquo als Gegenspieler der Star Sheriffs / Wildwest-Folge
USA18: All That Glitters
(deutsch28: Goldfieber)
Vanquo als Gegenspieler der Star Sheriffs / Wildwest-Folge
USA34: Stampede
(deutsch30: Saber in der Phantomzone)
Zur besseren Veranschaulichung, was die Phantomzone eigentlich ist / Das Ende von Vanquo

Ausstrahlungsdaten, Erfolg und weitere Einnahmen

Die 52 Episoden von SRatSS wurden in Amerika in zwei Staffeln ausgestrahlt. Die erste Staffel ging am 14.09.1987 auf Sendung und endete am 18.11.1987. Die zweite Staffel wurde fast ein Jahr später ausgestrahlt, vom 18.08.1988 bis 02.09.1988.

SRatSS war in den USA relativ erfolgreich. Die Serie wurde nicht zu einem Riesenerfolg, aber sie behauptete sich am Markt und war beim Publikum beliebt, obwohl sie marketingtechnisch nicht so gut ausgestattet war wie konkurrierende Sendungen zu dieser Zeit. Durch Merchandising konnte man die Zuschauer langfristig binden. Es gab interaktive Spielzeuge, die direkt mit speziell codierten Signalen im Fernsehbild kommunizieren konnten, es wurden Gewinnspiele rund um SRatSS veranstaltet, es gab Malbücher und VHS-Videokassetten. SRatSS wurde auch in andere Länder lizenziert: England, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, um nur einige zu nennen. Auch im südostasiatischen Raum fand die Serie großen Anklang. Sie wurde praktisch rund um den Erdball vermarktet, so dass man von einem großen internationalen Erfolg sprechen kann.

In Deutschland war die Serie dank der erfrischenden Synchronisation ein großer Erfolg, wenn nicht sogar der größte weltweit.

In Japan, dem Heimatland von Sei Jushi Bismarck, wurde Saber Rider nicht ausgestrahlt, so dass viele SJB-Fans die modifizierte Serie SRatSS nur vom Hörensagen oder aus dem Internet kennen. Sie sehen SRatSS mit ambivalenten Gefühlen: Einerseits sind sie traurig, dass ihre geliebte Serie vom Ausland gekauft und umgeformt wurde und so der Kern der ursprünglichen Serie verlorenging. Andererseits sind sie auch dankbar für SRatSS, denn so erlangte die Serie weltweit Aufmerksamkeit und machte viele Fans auf das Original neugierig.

In den 2000er Jahren wurde vor allem in Deutschland damit begonnen, SRatSS als DVD- und später auch als Blu-ray-Veröffentlichung auszuwerten. Es folgten noch die Veröffentlichung des Soundtracks und in den 2010er Jahren sogar eine Fortsetzung als fünfteiliges deutsches Hörspiel. 2016 erschien in den USA eine vierteilige Comicserie. Für WEP bedeutete das nochmal weitere Einnahmen aus dem Lizenzhandel (Näheres zu den Veröffentlichungen im Merchandising-Bereich). Doch in den darauffolgenden Jahren wurde es für WEP immer schwieriger, SRatSS weiterhin im Inland und weltweit zu vermarkten. Daher hat man im Jahr 2020 entschieden, die Lizenz für Saber Rider nicht zu verlängern und hat sie an Pierrot zurückgegeben. Die Rechte an SRatSS liegen seither beim japanischen Originalstudio. Anime House als deutscher Publisher der DVD- und Blu-ray-Editionen hat ungefähr zur gleichen Zeit seine Lizenz auslaufen lassen.

Saber Rider weltweit – eine Auswahl

LandTitel
USA USASaber Rider and the Star Sheriffs
deutsch DeutschlandSaber Rider und die Star Sheriffs
FrankreichSab Rider, le Chevalier au Sabre
ItalienSceriffi delle Stelle
PolenJeździec srebrnej szabli
SlowakeiHviezdny serif Saber Rider
SpanienJinete Sable y los Comisarios Estrella
PortugalOs Cavaleiros das Estrelas
BrasilienSaber Rider and the Star Sheriffs